Alle Spielberichte zur Saison 03/04 Print E-mail
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Tuesday, 15 June 2004 13:17
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Alle Spielberichte zur Saison 03/04
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Dies sind die Berichte zu allen WERDER-Spielen der Double-Saison 03/04.

Alle Berichte im Original von www.sport1.de


1. Spieltag (02.08.03) / 2. Tabellenplatz

Hertha – WERDER 0 : 3 (0 : 2)

Micoud und Ailton führen die Hertha vor

München -"König Johan" wartete vor der Bremer Kurve geduldig auf sein Gefolge, umarmte jeden Mitspieler und liess sich von den jubelnden Fans feiern. 3:0 (2:0) hatte der SV Werder mit einem überragenden Johan Micoud zum Bundesliga-Auftakt bei Hertha BSC Berlin gewonnen und damit die 0:4-Schmach vom UI-Cup-Hinspiel beim FC Pasching drei Tage zuvor vergessen gemacht.

Hertha-Coach Huub Stevens rang auf der Gegenseite nach Worten: "Unglaublich, wir sind im eigenen Stadion vorgeführt worden.""Das ist bizarr, fast paradox. Erst verliert man in Österreich 0:4, und dann gewinnt man in Berlin 3:0", versuchte Micoud seine Gefühle zu ordnen.

Micoud überragend

Der 30 Jahre alte französische Nationalspieler hatte glänzend Regie geführt und seine Leistung mit einem Sololauf in der 21. Minute zum 2:0 gekrönt. Das 1:0 durch den zweifachen Torschützen Ailton (18. und 65.) hatte der ehemalige Spieler vom AC Parma vor 40.152 Zuschauern im Olympiastadion vorbereitet. "Johan hat sehr effektiv gespielt. Er hat gut mit seinen Kollegen harmoniert und das Tempo bestimmt", lobte Bremens Trainer Thomas Schaaf.

Starke Bremer Vorstellung

Die starke Leistung seiner Spieler machte dem Coach wieder Mut für das UI-Cup-Rückspiel am Mittwoch gegen den FC Pasching: "Wir müssen jetzt nachlegen und uns für die katastrophale Leistung beim 0:4 aus dem Hinspiel rehabilitieren." Auch Klaus Allofs ist wieder optimistischer: "Wenn Micoud einen guten Tag hat und Ailton trifft, dann können wir jeden Gegner schlagen." Der Werder-Sportdirektor lobte Einstellung und Engagement der Spieler, "obwohl der Sieg noch viel klarer hätte ausfallen können".

Marcelinho mit Mittelfussbruch

Herthas Spieler schlichen dagegen mit gesenkten Häuptern in die Kabine, mit dieser Klatsche hatte keiner gerechnet. Höhepunkt des schwarzen Hertha-Tages war die schwere Verletzung von Spielmacher Marcelinho. Der Brasilianer zog sich in der 45. Minute ohne Einwirkung eines Gegenspielers einen Bruch des Mittelfussknochens zu und wird sechs bis acht Wochen ausfallen. "Marcelinho war durch eine Prellung schon verletzt, doch ich habe kein Risiko darin gesehen, ihn spielen zu lassen", erklärte Hertha-Arzt Dr. Uli Schleicher.

Stevens wortkarg

Stevens wusste nicht so recht, ob die 0:3-Niederlage oder die Verletzung Marcelinhos mehr schmerzte. "Wenn ich darüber sprechen müsste, was heute alles schief gelaufen ist, dann hätte ich zwei Stunden zu reden", merkte Stevens nur an und bezeichnete sämtliche seiner Spieler als Ausfälle: "Auch die Neuen." Der Coach ordnete für Sonntag ein Straftraining an. Nichts zu sehen war von den Neuzugängen Fredi Bobic, Artur Wichniarek oder Niko Kovac.

"Das war grottenschlecht"

"Das war grottenschlecht. So einen Auftakt hatte ich noch nie", meinte Kovac. Der Ex-Münchner konnte genauso wie seine Kollegen dem Spiel keine Impulse geben. "Das war überhaupt nichts", meinte auch Manager Dieter Hoeness. Der mächtige Mann bei Hertha hatte sich den Start in die neue Saison ganz anders vorgestellt: "Wir haben die nötige Aggressivität vermissen lassen. Die Spieler standen zu weit von ihren Gegenspielern weg", stellte Hoeness fest. In die Angelegenheiten des Trainers wollte sich der Manager jedoch nicht einmischen: "Ich werde nach dieser Niederlage noch nicht mit der Mannschaft reden."


2. Spieltag (09.08.03) / 4. Tabellenplatz

WERDER - Borussia M'gladbach 1 : 1 (0 : 0)

Werder gibt den Sieg aus der Hand

Punktgenau am 65. Geburtstag von Otto Rehhagel ist Werder Bremen so erfolgreich wie seit den legendären Zeiten seines Erfolgstrainers nicht mehr in die neue Saison gestartet. Zwei Spiele, vier Punkte - neun Jahre sind seit einem solchen grün-weissen Erstliga-Auftakt vergangen. Da verdrängte man an der Weser rasch, dass das 1:1 (0:0)-Unentschieden gegen Borussia Mönchengladbach ein Remis der schmeichelhaften Art und der Gast den drei Punkten deutlich näher war.

Van Hout und das Ende der Leidenszeit

Völlig zu Recht trauerte Gladbach-Coach Ewald Lienen einem Sieg hinterher, der den Rheinländern zumindest für 24 Stunden die Tabellenführung beschert hätte. Konditionell bemerkenswert stark, erarbeiteten sich die Borussen Feldvorteile und Torchancen. Werder-Torhüter Andreas Reinke musste mehrfach über sich hinauswachsen, ehe ihn ein Kopfball des eingewechselten Joris van Hout in der 81. Minute doch noch bezwang. Für den 26 Jahre alten Belgier ging damit eine lange Leidenszeit zu Ende. Acht Monate hatte der Stürmer nach einem Kreuzbandriss nicht mehr in der Bundesliga spielen können, nach seiner Einwechslung reichten ihm ganze elf Minuten zum schnellen Torerfolg. "Ich bin noch nicht wieder in Bestform, aber so etwas macht natürlich Mut", sagte van Hout.

Ärger bei Lienen und Schaaf

Dass van Houts Treffer nicht zum Sieg reichte, ärgerte den Gladbacher Coach ebenso wie die Bremer Führung, die Ailton in der 64. per Foulelfmeter erzielte. "Ein Strafstoss aus dem Nichts, dazu einer, der nicht korrekt war", ereiferte sich der 49-Jährige. Die Fernsehbilder zeigten jedoch, dass Bundesliga-Neuling Stefan Trautmann aus Florstadt diesen Elfmeter zumindest geben konnte. Peer Kluge hatte Krisztian Lisztes zu Fall gebracht.

Sein Bremer Kollege Thomas Schaaf ärgerte sich ebenfalls über verschenkte Punkte: "Wenn man bei einer solchen Hitze in Führung geht, darf man sich das nicht mehr nehmen lassen. Aber es war nicht zu übersehen, dass wir in der Schlussphase noch ein bisschen für das schwere Spiel im UI-Cup bezahlen mussten." Die Norddeutschen hatten am Mittwoch vergangener Woche gegen den SV Pasching aus Oberösterreich vergeblich versucht, einen 0:4-Rückstand aus dem Hinspiel aufzuholen.

Reinke in guter Form

Werder-Sportdirektor Klaus Allofs registrierte wie die 30.100 Zuschauer im Weserstadion allerdings nicht nur die fehlende Kraft der Platzherren, sondern auch fehlende Cleverness. Der Ex-Nationalspieler erzürnt: "So etwas gibt es eigentlich in der Bundesliga nicht mehr, dass ein Stürmer nach einem Eckball völlig frei zum Kopfball kommt." Bremens Kanadier Paul Stalteri war für Sekundenbruchteile unaufmerksam gewesen und trug so die Hauptschuld an diesem Gegentor.

Nicht verantwortlich für den späten Ausgleich war Neuzugang Reinke, der in der Vorbereitung das interne Werder-Duell gegen Pascal Borel gewann und in dieser Verfassung die Bremer Torhüterprobleme der vergangenen Saison vergessen machen könnte. So richtig freuen konnte sich der 34 Jahre alte Schlussmann über seine nahezu fehlerfreie Vorstellung jedoch nicht: "Es zählt nur die Gesamtleistung der Mannschaft und die hat leider nicht zum Sieg gereicht."


 

3. Spieltag (16.08.03) / 4. Tabellenplatz

1.FC Kaiserslautern – WERDER 0 : 1 (0 : 0)

Werder beendet den Fluch des Betzenbergs

München - Werder Bremen kann doch noch auf dem Betzenberg gewinnen. Die Hanseaten setzen sich am dritten Spieltag der Fussball-Bundesliga mit 1:0 (0:0) beim 1. FC Kaiserslautern durch und konnten ihren ersten Erfolg bei den Pfälzern nach knapp sechs Jahren feiern. Während die Bremer nach drei Spieltagen in der Bundesliga mit sieben Punkten ihre Ambitionen auf die internationalen Ränge unterstreichen, warten die Lauterer auf den ersten Pluspunkt der Saison. Die Pfälzer waren mit einer Hypothek von drei Zählern Abzug gestartet.

Micoud mit dem Tor des Tages

Der Franzose Johan Micoud erzielte den entscheidenden Treffer für die Gäste (66.). "Wir haben oft genug versucht, in den vergangenen Jahren hier zu punkten. Heute haben wir verdient gewonnen", freute sich Bremens Trainer Thomas Schaaf. "Wir haben gut agiert und das Spiel kontrolliert." FCK-Trainer Erik Gerets überraschte die 36.056 Zuschauer im erneut nicht ausverkauften Fritz-Walter-Stadion mit einer veränderten taktischen Marschroute. Anstelle der gewohnten Vierer-Abwehrkette agierten die Gastgeber mit einer Dreierkette um Abwehrchef Thomas Hengen. Die Lauterer hatten allerdings grosse Probleme mit der neuen Raumaufteilung. Bremen war unter dem Strich die besser organisierte Mannschaft.

FCK erschreckend schwach

Das Team von Trainer Thomas Schaaf konnte die Lücken in Lauterns Defensive aber lange nicht zu einem Torerfolg nutzen. Insgesamt zeigten beide Tams in der ersten Halbzeit eine mässige Vorstellung. Der FCK offenbarte grosse Schwächen in fast allen Mannschaftsteilen. Ein geordneter Spielaufbau war nicht zu erkennen, da Fehlpässe und Missverständnisse die Bemühungen der "Roten Teufel" prägten. Vratislav Lokvenc war im FCK-Angriff kaum zu sehen, sein Partner Miroslav Klose nur unwesentlich auffälliger.

Gerets bedient

"Wir müssen jetzt zusammen aus der Scheisse raus", fand Erik Gerets deutliche Worte. Noch nie zuvor hatten die "Roten Teufel" die ersten beiden Saison-Heimspiele verloren. Mit null Punkten steht der FCK nach drei Runden bereits wieder da, wo man nach der verkorksten Vorsaison auf keinen Fall hin wollte: im Abstiegskampf. "Wunder geschehen nicht jedes Jahr", warnte Gerets schon vor einer neuerlichen Katastrophen-Hinrunde.

Reinke starker Rückhalt

Torchancen waren vor der Pause Mangelware. Die beste Möglichkeit für Werder hatte der Franzose Valerien Ismael (4.) per Kopfball nach einer Ecke. Auf Seiten der Pfälzer vergaben Nationalstürmer Miroslav Klose (21.) und der Bulgare Marian Hristov (29.) gute Gelegenheiten, die SVW-Keeper und Ex-Lauterer Andreas Reinke glänzend vereitelte. "So ist es schwer, ein Spiel zu gewinnen", musste Gerets zugeben, "Werder war einfach die routiniertere Mannschaft. Der Sieg geht in Ordnung." Eine mässige Vorstellung bot der türkische Nationalspieler Ümit Davala bei seinem Bundesliga-Debüt im Dress der Bremer. Auch der Lauterer Steffen Freund konnte bei seiner Heimpremiere kaum Akzente setzen.

Zweiter Treffer für Micoud

Mit der Einwechslung von José Dominguez für den enttäuschenden Finnen Mika Nurmela kam nach der Pause zwar kurzzeitig neuer Schwung ins FCK-Spiel. Doch nach einer verpassten Chance von Klose nutzte der ansonsten unauffällige Micoud einen Pass von Angelos Charisteas und schob den Ball aus zehn Metern am herausstürmenden Ernst vorbei ins Tor. Anschliessend konnten die Gastgeber nicht mehr zulegen. Bei den Bremern ging es nach dem Schlusspfiff locker zu. "So wie wir hier aufgetreten sind, können wir zuversichtlich in die Spielzeit gehen", meinte Sportdirektor Klaus Allofs. "Wir müssen nun zu Hause nachlegen, um den Anschluss nach oben zu halten", ergänzte Keeper Reinke.

Werder mit Konterchancen

In der Schlussphase kam Werder gegen die kopflos agierenden Lauterern sogar noch zu riesigen Konterchancen. Die grösste Möglichkeit vergab eine Minute vor dem Ende Fabian Ernst völlig frei vor dem FCK-Tor. Auf Seiten der Bremer war der souveräne Torwart Andreas Reinke der herausragende Spieler. Bei den Gastgebern konnten der Pole Kamel Kosowski und der Grieche Dimitrios Grammozis mit Abstrichen überzeugen, Ersatzkeeper Thomas Ernst spielte fehlerfrei.


4. Spieltag (23.08.03) / 1. Tabellenplatz

WERDER - FC Schalke 04 4 : 1 (3 : 0)

Werder bringt Heynckes erste Niederlage bei

Bremen/München - Eitel Sonnenschein an der Weser: Mit einem 4:1 (3:0)-Erfolg über Schalke 04 hat sich der SV Werder Bremen die Tabellenführung in der Fussball-Bundesliga gesichert. "Das war eine sehr überzeugende Leistung. Es ist uns überragend gelungen, die Fans zufrieden zu stellen", freute sich Thomas Schaaf. Aber der Werder-Trainer war im gleichen Atemzug auch bemüht, den Ball flach zu halten.

Schaaf will die Euphorie dämpfen

"Wenn es so bleibt, dass wir oben stehen, haben wir natürlich nichts dagegen. Aber man muss die Euphorie im Umfeld sicher etwas dämpfen", weigerte sich Schaaf konsequent, abzuheben. Ob er die Statistik im Kopf hatte? Siege gegen Schalke sind an der Weser nämlich nichts Besonderes, sondern eher die Regel. Die letzten vier Heimspiele gegen die Gelsenkirchener gewannen die Bremer allesamt, sind seit sieben Spielen gegen die "Knappen" ungeschlagen.

Ailton mit tollem Lauf

Trotzdem hätten die Bremer nach zehn Punkten aus vier Spielen Grund genug zur Euphorie. So trifft zum Beispiel Ailton vorne, wie er will - schon vier Tore in vielen Spielen. Gegen Schalke steuerte er das 3:0 (35.) bei. Bereits vorher hatten Angelos Charisteas (13.) und Tim Borowski (28.) - bei seinem ersten Start seit März - für klare Verhältnisse gesorgt. Die Bremer gefielen mit guter Spieleinteilung, schnellen Kontern und hervorragender Chancenverwertung.

Erstes Bundesligator für Werders Valdez

Und an manchen Tagen gelingt dann auch einfach alles. So durfte sich Nelson Haedo Valdez nur zwei Minuten nach seiner Einwechslung auch gleich über sein erstes Bundesligator (81.) freuen. Das letzte Mal, als die Bremer derart gut in die Saison starteten (1994/95), wurden sie übrigens am Ende Vize-Meister. Ebenso wie Schalke 04 vor gut zwei Jahren.

Schalker Tendenz nach unten

Doch bei dem damaligen "Meister der Herzen" geht die Tendenz seitdem klar nach unten. In dieser Saison soll in jedem Fall ein Platz im Uefa-Cup erreicht werden. Mit Leistungen wie im Weserstadion eine hohe Hürde für den neuen Trainer. "Das war unser schlechtestes Saisonspiel", befand Jupp Heynckes denn auch nach der ersten Saisonniederlage. "Wir haben auch in der Höhe verdient verloren. Das war eine herbe Enttäuschung für uns."

Rost: "Wir waren nur Statisten"

Wiederholen sich derartige Leistungen, dürfte die Euphorie um den Startrainer bald verflogen sein. Dabei hätten nach zwei Remis und dem glücklichen Sieg gegen Köln eigentlich alle gewarnt sein müssen - dachte zumindest Frank Rost. "So etwas hatte sich schon gegen Köln abgezeichnet. Ich dachte eigentlich, heute kommt so eine Art Trotzreaktion. Statt dessen waren wir nur Statisten", beklagte der Torwart vehement die Leistung seiner Vorderleute. "Das war eine mittlere Katastrophe", stimmte Manager Rudi Assauer zu.

Probleme von vorn bis hinten

Und in der Tat: Der Schuh drückt die "Königsblauen" bereits zu diesem frühen Saisonzeitpunkt an allen Ecken und Enden. Im Sturm beispielsweise versiebte Ebbe Sand erneut eine grosse Gelegenheit - als das Spiel noch torlos war. Victor Agalis Treffer (82.) konnte ebenfalls nicht darüber hinweg täuschen, dass im Mittelfeld eine Führungsfigur fehlt. Die Abgänge von Andreas Möller und Marc Wilmots haben eine klaffende Lücke hinterlassen. Am ehesten füllt die noch Christian Poulsen, der mit erst 23 Jahren aber noch zu jung für die Führungsrolle scheint. Und die Abwehr leistet sich eklatante Patzer. Was Aufsteiger Köln noch unbestraft liess, nutzten die routinierten Bremer weidlich aus. Und Besserung ist kaum in Sicht: Die Schalker Verletztenliste ist immer noch extrem lang.

Zusatzbelastung UI-Cup macht sich bemerkbar

Dazu noch die Zusatzbelastung UI-Cup. Das geht langsam an die Substanz. "Man ist müde, und nach dem 0:2 war ich auch mental kaputt", gab Hamit Altintop zu. Anders als in seinen ersten beiden Saisonspielen blieb der Türke diesmal blass. Da wird sich niemand wirklich darüber freuen, dass am Dienstag das UI-Cup-Final-Rückspiel gegen Pasching auf dem Programm steht. "Immerhin eine Chance zur Rehabilitation", meinte Kapitän Tomasz Waldoch.


5. Spieltag (13.09.03) / 4. Tabellenplatz

Dortmund – WERDER 2 : 1 (1 : 1)

Dortmund hat trotz Sieg gegen Bremen die Seuche

München - Es ist die Woche der ungewöhnlichen Motivationsmethoden. Erst Rudi Völler, der die Nationalmannschaft mit seiner Brandrede zum 2:1-Sieg gegen Schottland geführt hatte. Dann der BVB, der seinen Spielern mit Gehaltsverzicht gedroht hatte. Dortmunds Klubboss Dr. Gerd Niebaum hatte im Sport1-Interview jedoch bereits vermutet: "Diese Massnahme wird die Mannschaft wachrütteln."

"Mannschaft hat Moral gezeigt"

Niebaum sollte Recht behalten: 2:1 siegten die Borussen gegen Werder Bremen. Glücklich zwar dank des Eigentors durch Werders Ismael, aber danach fragt hinterher nicht einmal mehr Trainer Matthias Sammer. "Wir haben nicht berauschend gespielt, aber so unglücklich, wie wir im letzten Jahr verloren haben, so glücklich haben wir dieses Jahr gewonnen. Ich sehe das vor allem positiv, weil die Mannschaft nach all dem, was ihr widerfahren ist, Moral gezeigt hat", sagte Sammer.

Kurioses Eigentor von Ismael

Und auch Manager Michael Meier war hochzufrieden: "In den letzten Wochen ist ein verzerrtes Bild von Borussia Dortmund entstanden. Die Mannschaft hat heute die richtige Antwort darauf gegeben." Glücklich war der Sieg gegen Bremen aber allemal. Selten zuvor hat man ein derart kurioses Eigentor gesehen, wie das von Valerien Ismael in der 70. Minute. "Das Tor zum 2:1 ist nicht mehr zu toppen. So etwas kriegt man nicht noch einmal hin", musste selbst Werder-Coach Thomas Schaaf mit Galgenhumor anerkennen.

"Das ist Fussball"

Unglücksrabe Ismael, der mit 84 Prozent gewonnener Zweikämpfe trotz des Eigentors erfolgreichster Defensivspieler war, trug es mit Fassung: "Ich habe ein Eigentor gemacht. Das ist bitter für das Team, denn wir haben eigentlich ein gutes Spiel gemacht. Aber das ist Fussball." Bremens Fabian Ernst wollte die Schuld an der Pleite jedoch nicht dem französischen Abwehrspieler in die Schuhe schieben. "Der Fehler passiert früher, als wir hinten wieder zu leichtsinnig gespielt haben und dann haben wir die Quittung dafür bekommen."

BVB nach der Führung zu behäbig

Doch Fehler machten auch die Dortmunder. Nach dem 1:0 durch Ewerthon (17.), der Marcio Amoroso im Sturm zumindest phasenweise gleichwertig ersetzte, präsentierte sich der BVB mit der für ihn fast schon typischen Behäbigkeit. "Wir haben zu wenig gespielt, sind zu wenig gelaufen, haben zu wenig Fussball gespielt, zu viele lange Bälle geschlagen, es ging nur noch Hauruck. Ein bisschen war dann auch sichtbar, was unser Präsident als Verwaltungs-Fussball bezeichnet hat", analysierte Sammer diese Phase des Dortmunder Spiels.

Sehenswerter Lisztes-Heber

Bremen jedenfalls liess sich durch den fünften Ewerthon-Treffer im fünften Spiel gegen Werder keineswegs entmutigen. Krisztian Lisztes war es, der in der 41. Minute mit einem sehenswerten Heber für die Norddeutschen ausglich Auch insgesamt war Bremen auf keinen Fall schlechter als der BVB, das sah auch Abwehrspieler Frank Baumann so: "Ich denke, dass heute nicht die schlechtere Mannschaft verloren hat, sondern dass wir gleichwertig waren. Es ist natürlich bitter, durch so ein Gegentor zu verlieren."

"Das war Unvermögen"

Von Pech wollte Werder-Trainer Schaaf jedoch nichts wissen: "Ich denke, dass das schon Unvermögen war. Wir haben uns heute selbst bestraft." Trotz des Sieges dürfte in Dortmund nach dem 2:1 kaum wirkliche Freude aufkommen. Grund dafür war die Verletzung von Juan Fernandez, der nach der ersten Hälfte mit Verdacht auf Kreuzbandriss ausgewechselt werden musste.

Fernandez mit Innenbanddehnung

Glück im Unglück: Nach dem Spiel stellte sich heraus, dass Fernandez lediglich eine Innenbanddehnung hat und "nur" drei Wochen ausfällt. "Es ist wirklich nicht mehr schön", urteilte Sammer. Christian Wörns fand für die Dortmunder Verletzungsmisere eine passende Bezeichnung: "So etwas nennt man wohl die Seuche.


6. Spieltag (20.09.03) / 3. Tabellenplatz

WERDER - TSV 1860 München 2 : 1 (0 : 0)

Werder bezwingt 1860 mit 2:1 und ist Dritter

Bremen - Dank des besten Saisonstarts seit der Herrschaft von "König Otto" Rehhagel hat sich Werder Bremen in der Spitzengruppe der Fussball-Bundesliga eingenistet. "Das ist doch ein gutes Zeichen, wenn man auch mal ein schwächeres Spiel gewinnt. In der Vergangenheit war das ja nicht immer so", entfuhr es Sportdirektor Klaus Allofs nach dem 2:1 (0:0)-Erfolg gegen 1860 München, der ähnlich gut aus den Startlöchern gekommen war, nach dieser Niederlage aber wieder ins Mittelfeld abgerutscht ist.

Mit stürmischem Hurra-Fussball waren die Hanseaten im vergangenen Jahr noch in so manche überflüssige Heimniederlage gerannt, gegen die vor dem Anpfiff noch punkgleichen "Löwen" schlichen sich die Hanseaten mit Minimalisten-Fussball auf den dritten Tabellenplatz.

"Energieleistung hat uns den Sieg gebracht"

Die meisten der 31.233 Zuschauer im Weserstadion konnten damit leben, Trainer Thomas Schaaf nicht: "Ein Spiel, dass man relativ schnell abhaken muss. Wir können viel mehr bieten, nur eine Energieleistung hat uns den Sieg gesichert." Nörgelig gab sich auch Münchens Coach Falko Götz, der zudem noch mit leeren Händen an die Isar zurückflog. "Es wäre leicht gewesen, in Bremen zu punkten, aber das war unsere schlechteste Leistung in dieser Saison", kritisierte der einstige Bundesliga-Profi. Am Ende einer langen Litanei von Fehlern und Versäumnisse seiner Schützlinge wurde der 41-Jährige dann sogar noch zum Poeten: "Wir haben dem Gegner die Tür zum Sieg geöffnet."

Ailton trifft per Elfmeter

Damit meinte Götz die 63. Spielminute. Beim Stande von 1:1 konnte Markus Schroth die klarste Torgelegenheit des Spiels aus kürzester Distanz nicht nutzen, 180 Sekunden später stellte Bremens Franzose Johan Micoud den Endstand her. Ailton hatte per Fouelfmeter mit seinem fünften Saisontreffer die Norddeutschen in der 48. Minute in Führung gebracht, Schroth konnte nach 57 Minuten kurzzeitig ausgleichen. An der Weser nahm man die tadelnden Worte von Schaaf mit einer Mischung aus Selbstkritik und Selbstbewusstsein an. "Es war nur ein Arbeitssieg mit vielen Fehlern", meinte Torhüter Andreas Reinke.

Micoud mit zwei Gesichtern

Sportdirektor Allofs hingegen wollte sich die aktuelle Situation beim SV Werder nicht klein reden lassen: "Wer aus sechs Spielen 13 Punkte holt, gehört auch auf den dritten Tabellenplatz. Die Mannschaft ist stark genug, um sich oben auf längere Zeit festzusetzen." Eine Prognose, die allerdings stark abhängig von der Verfassung von Micoud ist. Der Mittelfeldregisseur, bei der 1:2-Niederlage in der Vorwoche bei Borussia Dortmund schmerzlich vermisst, lenkte diesmal nach leidlich ausgeheiltem Rippenbruch auch ohne einen Schutzpanzer aus Kunststoff in gewohnter Klasse die Aktionen der Grün-Weissen.

"Ich habe ohne Rippenschutz gespielt, weil es sonst gestört hätte", gab der Europameister erst nach dem Spiel zu. Er zeigte aber auch sein zweites, weit hässlicheres, Gesicht: Im Zweikampf mit Nationalspieler Benjamin Lauth leistete sich der 30-Jährige eine Tätlichkeit, die Schiedsrichter Herbert Fandel aus Kyllburg übersah.


7. Spieltag (27.09.03) / 2. Tabellenplatz

1.FC Köln - WERDER 1 : 4 (0 : 2)

Kölner Fans fordern Funkels Ablösung

Köln - Der Trainerstuhl von Friedhelm Funkel beim Bundesligisten 1. FC Köln wackelt bedenklich. Mit der 1:4 (0:2)- Niederlage und einer indiskutablen Leistung am Samstag gegen Werder Bremen kommt der Aufsteiger auf die miserable Bilanz von nur einem Sieg aus den letzten elf Punktspielen.

"Geissböcke" weiterhin Letzter

Vor 33.000 Zuschauern im ausverkauften RheinEnergie-Stadion machten der Franzose Johan Micoud (10.) mit seinem vierten Saisontreffer, der Kroate Ivan Klasnic (40.), der Kanadier Paul Stalteri (70.) und der Grieche Angelos Charisteas (90.) die dritte Saison-Heimniederlage und die weiter bedrohliche Situation der Rheinländer perfekt. Matthias Scherz gelang in der 79. Minute die Resultatsverbesserung zum 1:3. Bremen blickt nun ganz nach oben, Köln behält die Rote Laterne.

Rettig steht vorerst zu Funkel

Trotz der sportlichen Talfahrt muss Funkel vorerst aber nicht mit Konsequenzen seitens der Vereinsführung rechnen. "Ich kann definitiv ausschliessen, dass wir uns von Friedhelm Funkel trennen", stärkt Kölns Manager Andreas Rettig dem Trainer demonstrativ den Rücken.

Letzte Chance in Stuttgart?

Den Ernst der Lage verhehlt Rettig aber nicht. "Wir sind nicht so naiv, die Lage zu verkennen. Die Leistung der Mannschaft war desolat." Falls die Mannschaft auch im Schwabenland eine ähnlich bundesligaunwürdige Leistung abliefern sollte, deutete der Manager Konsequenzen an: "Erst wenn der Punkt erreicht ist, wo ich sehe, der Funkel schafft es nicht mehr, werden wir reagieren. Das ist doch völlig klar."

Lautstarke Fan-Proteste

Die Fans dagegen scheinen schon jetzt mit der Geduld am Ende zu sein. Nach der Partie gab es lautstarke Protesten hunderter FC-Anhänger am Marathontor ("Wir sind Kölner und ihr nicht") und Rufe nach der Ablösung Funkels. Es flogen sogar Münzen und Feuerzeuge. Matthias Scherz, der das einzige Kölner Tor in der 79. Minute erzielte: "Ich kann die Fans verstehen, aber es ist nicht immer der Trainer Schuld. Funkel hat das nicht verdient. Und Kapitän Dirk Lottner, der ein miserables Spiel ablieferte, sagte: "Bremen hat uns die Grenzen aufgezeigt. Nun muss sich zeigen, ob wir wirklich eine Einheit sind. Es liegt nicht am Trainer." Coach Funkel zeigte sich von den heftigen Fan-Protesten relativ unbeeindruckt: "Während eines Spiels lässt mich so etwas eigentlich völlig kalt." Die Leistung seiner Mannschaft bezeichnete der 49-Jährige als indiskutabel. Machtlos musste Funkel, seit dem 14. Februar 2002 Chefcoach in Köln, mit ansehen, wie sein Team eine klägliche Leistung ablieferte. Viel zu wenig Einsatz, keine Raumaufteilung, eine völlig unzureichende Zuordnung und eine spürbare Verunsicherung - der FC musste sich von den Hanseaten teilweise vorführen lassen.

Spaziergang für Werder

Im Gegenteil: Die Bremer konnten schalten und walten, wie sie wollten und kamen fast mit angezogener Handbremse zum fünften Sieg im 37. Spiel in Köln. Kölns Daten sind katastrophal: Die Mannschaft hat die wenigsten Ballkontakte in der Liga - im Schnitt sind die Kölner nur zu 46 Prozent am Ball, die höchste Fehlpassquote - jeder vierte Ball landet beim Gegner und obendrein kassieren die "Geissböcke" die meisten Torschüsse (schon 148). Die Bremer blieben angesichts fehlender Gegenwehr der Gastgeber völlig ungefährdet und konnten es sich sogar erlauben, viele Chancen relativ leichtfertig zu vergeben. Allein Kölns Torhüter Stefan Wessels verhinderte in der ersten Hälfte gegen Frank Baumann (32.) und Krisztian Lisztes (33.) einen höheren Rückstand. Nachdem Klasnic mit seinem ersten Saisontreffer die Werder-Führung ausgebaut hatte, gingen die Kölner mit einem gellenden Pfeifkonzert und lauten "Funkel raus"-Rufen in die Kabine.


 

8. Spieltag (05.10.03) / 1. Tabellenplatz

WERDER - VfL Wolfsburg 5 : 3 (3 : 1)

Traum-Duo lässt Bremer Titel-Träume blühen

Bremen - Der SV Werder Bremen hat den besten Saisonstart seit der Meistersaison 1987/88 hingelegt - und sich dank seines Erfolgs-Duos Ailton/Micoud zum Titelaspiranten gemausert. Durch die 5:3-Torgala über den VfL Wolfsburg erklomm das Team von Trainer Thomas Schaaf am Sonntagabend die Tabellenspitze und weckte damit nicht nur bei den eigenen Fans kühne Träume von der deutschen Meisterschaft.

Lob für überragenden Micoud

"Wir sind gefestigter und haben bei der Formation der Mannschaft mehr Möglichkeiten als früher. Ich glaube schon, dass wir ganz oben mitmischen können", urteilte Sportdirektor Klaus Allofs mit zuversichtlichem Blick in die Zukunft. Der überragende Franzose Johan Micoud hat beim Tabellenführer die Führungsrolle als Lenker und Denker im Mittelfeld übernommen. Darüber hinaus erzielt er auch wichtige Tore. "Johan ist seiner Aufgabe mehr als gerecht geworden", lobte Allofs den Werder-Regisseur, der gegen Wolfsburg bereits zum fünften Mal traf.

Ovationen für Ailton

In der aktuellen Form darf Micoud sich sogar Hoffnungen auf eine Berufung in die Nationalmannschaft von Europameister Frankreich machen. "Ich kann auch mit Zidane in einem Team spielen", sandte Micoud ein Signal an Teamchef Jaques Santini. Der hat die "Seele" des Bremer Spiels jedoch noch nicht entdeckt. Dabei gehört Micoud wie sein Kollege und Publikumsliebling Ailton zu den Top-Spielern der Bundesliga. Der Brasilianer erzielte schon seine Saisontore sechs und sieben und schloss damit zum führenden Rostocker Martin Max auf. 31.830 Besucher verabschiedeten den Tor-Garanten vom Zuckerhut mit stehenden Ovationen.

Hängepartie um den Torjäger

Die sportliche Leitung des SV Werder würde den zum Saisonende auslaufenden Vertrag mit Ailton lieber heute als morgen verlängern, doch der Stürmer hält die Bremer noch hin. "Wir führen im Augenblick keine Gespräche oder Verhandlungen. Unser Angebot liegt vor. Dabei sind wir an unsere Schmerzgrenze gegangen", sagte Allofs. Er fügte hinzu: "Toni wird wissen, was er hier in Bremen hat. Bei uns gab es bisher noch keine Gehaltskürzungen und das Geld haben wir immer pünktlich gezahlt." Die Wolfsburger haderten nach dem furiosen Spiel mit ihrer Defensiv-Abteilung.

Röber moniert Fehler

"Wenn wir auswärts drei Tore erzielen, dann muss am Schluss auch etwas Zählbares herauskommen. Immer wenn wir dran waren, gab es den Genickschlag", monierte Trainer Jürgen Röber. Seine Mannschaft offenbarte eklatante Abwehrschwächen, die schon im Mittelfeld begannen. "Da wurden die Fehler gemacht", klagte der Coach. Den Werder-Treffern von Ailton (2./21.), Paul Stalteri (40.), Micoud (57.) und Ivan Klasnic (58.) gingen stets Patzer voraus. Die VfL-Tore von Marino Biliskov (40.), Albert Streit (54.) und Miroslav Karhan (65.) waren für die "Wölfe" lediglich Ergebnis-Kosmetik. "Am Abwehrverhalten müssen wir arbeiten", forderte Manager Peter Pander.


9. Spieltag (18.10.03) / 4. Tabellenplatz

WERDER - VfB Stuttgart 1 : 3 (0 : 2)

Stuttgart stürzt Werder von der Tabellenspitze

München/Bremen - Vor dem Gipfeltreffen träumten an der Weser unter anderem Thomas Schaaf, Ümit Davala und Ailton von der Deutschen Meisterschaft. Wohl nicht mehr lange, denn gegen den VfB Stuttgart wurden die Hanseaten in ihre Schranken gewiesen. Am Ende hiess es vor 41.100 Zuschauern 1:3 (0:2) gegen die Schwaben. "Ich denke, wir haben eine Viertelsunde geschlafen und waren nicht richtig konzentriert", stellte Werder-Trainer Thomas Schaaf fest. "Und diese Viertelstunde hat uns den Sieg gekostet." Die Tabellenspitze ist kein gutes Omen für Werder. Vor ihrer ersten Saisonniederlage gegen Borussia Dortmund stand der SVW auch Platz eins - verlor 1:2 und rutschte vom Platz an der Sonne.

Erste Heimniederlage

Nun gab es für die Grün-Weissen die erste Heimniederlage. Und das vor dem besten Besuch seit 35 Jahren im Weserstadion. Nach der ernüchternden Pleite finden sich die Hanseaten in der Tabelle jetzt auf Rang vier. "Es war aber ein gutes Spiel für uns. Wir haben aber in der ersten Halbzeit in den entscheidenden Phasen geschlafen und zwei Tore kassiert. Die Stuttgarter haben das einfach clever gemacht", sagte Fabian Ernst.

Werder anfangs besser

In der ersten halben Stunde sah es tatsächlich recht gut für die Grün-Weissen aus. Die Hausherren bestimmten das Geschehen. Aber dann schlug der VfB eiskalt zu. Imre Szabics (31.) und Kevin Kuranyi (34,) besorgten die überraschende Führung. "In den ersten 30 Minuten hätten wir in Front gehen müssen, dann wäre das alles anders gelaufen", so Schaaf. Der Rückstand brachte Werder völlig aus dem Konzept. Stuttgart übernahm das Kommando und Alexander Hleb hätte in der 45. Minute alles klar machen können. Aber seinen ersten Elfmeter in der Bundesliga parierte Andreas Reinke.

Charisteas überwindet Hildebrand

Das gab den Bremern neuen Mut und sie kamen mit Schwung aus der Kabine. Aber immer wieder kam der finale Pass nicht zum Mitspieler. Erst in der 60. Minute klappte es. Der gerade erst eingewechselte Angelos Charisteas überwand Timo Hildebrand und beendete damit nach 884 Minuten die Rekordserie des VfB-Schlussmanns. "In der Halbzeit haben für uns dann gesagt, wenn wir schnell das 1:2 machen, können wir das noch drehen", meinte der "Elfmetertöter" Reinke nach der Partie. Und es kam noch besser für Werder. Marcelo Jose Bordon sah in der 88. Minute wegen Ballwegschlagens die Gelb-Rote Karte. "Aber dann hatte der VfB einen Konter und Tiffert macht das Ding eiskalt rein. Da war es rum", so Reinke.

Ailton ausgewechselt

In der 68. Minute nahm Schaaf den schwachen Ailton vom Platz. Der Wechsel zum FC Schalke 04 ist wohl nicht ganz spurlos an dem Brasilianer vorbeigegangen. Doch der konterte. "Ich denke überhaupt noch nicht an Schalke", sagte der Stürmer. Dabei wurde der "Kugelblitz" von den SVW-Fans freundlich empfangen. Aber er zahlte es nicht mit Leistung zurück. "Das ist eben nicht das Spiel von Toni. Er braucht Platz und Stuttgart stand nachher nur noch hinten drin. Und das Kopfballspiel ist auch nicht seine grosse Stärke", so Schaaf. "Deswegen habe ich ihn auch ausgewechselt und Nelson Haedo Valdez gebracht."

Schon wieder drei Gegentore

Anders da Mladen Krstajic. Der Serbe spielte wie immer solide und war der zweikampfstärkste Akteur auf dem Platz. Dennoch: Die drei Gegentreffern konnte auch er nicht verhindern. "Leider muss ich sagen, dass wir zu Hause wieder drei Tore bekommen haben. Das ist eindeutig zuviel. Daran müssen wir arbeiten", meinte Schaaf. Die Schwaben präsentierten sich in Bremen wie ein Spitzenteam. Die ersten zwei Torchancen verwandelte der VfB eiskalt. Das zeugt von Effektivität. "Der Sieg war natürlich im Hinblick auf die Champions League goldwert. So können wir mit enormen Selbstvertrauen ins Spiel gegen Panathinaikos Athen gehen", sagte Magath. "Und wir müssen da gewinnen, wenn wir unsere Chance auf ein Weiterkommen erhalten wollen." "Wir wollen auch da einfach so weiterspielen", meinte Timo Hildebrand, der das erste Saison-Gegentor und den ersten Treffer nach 884 Minuten kassierte. "Aber wir haben in der zweiten Hälfte gesehen, dass wir mächtig unter Druck standen. In solchen Situationen müssen wir einfach weiter nach vorne spielen."

Magath: "Mich hat das Gegentor nicht geärgert"

"Eigentlich war das ja kein reguläres Tor, der Ball war vor der Hereingabe ganz klar im Aus. Aber nun ist das ganze vorbei und es ist gut für uns gelaufen - wir haben gewonnen", Hildebrand. "Ärgerlicher wäre es gewesen, wenn wir verloren hätten. Ich kann damit leben." "Mich hat das Gegentor nicht geärgert. Mich hat es gefreut, dass Timo anschliessend mehrere Male grossartig gehalten hat und den Vorsprung festgehalten hat", so Magath. "Die Serie ist beendet, aber dann muss er eben eine neue Serie starten. Ich drücke ihm die Daumen."


10. Spieltag (25.10.03) / 3. Tabellenplatz

SC Freiburg - WERDER 2 : 4 (0 : 3)

"Landsmann" Ailton schiesst Breisgau-Brasilianer ab

München - "Kugelblitz" Ailton feierte seinen ganz persönlichen Befreiungsschlag überschwänglich wie selten zuvor: Erst liebkoste er immer wieder das Werder-Emblem auf dem Trikot, dann schickte er die Kusshand Richtung Himmel und schrie seine Erleichterung beherzt heraus. "Letzte Woche ging es nur um den Wechsel zu Schalke. Jetzt ist es wieder ein bisschen ruhiger und ich konzentriere ich mich wieder auf Werder. Die erste Halbzeit haben wir gut gespielt. Alles lief perfekt. Das sieht man an den drei Toren, zwei von mir", meinte der Brasilianer hinterher.

"Das hat Spass gemacht"

"Das hat Spass gemacht, wir haben einen guten Ailton gesehen. So haben wir beste Chancen, in die Champions League zu kommen", jubelte der Stürmer, der zuvor Werder Bremen mit seinen Saisontreffern acht und neun den Weg zum glanzvoll herausgespielten 4:2 (3:0)-Triumph bei Aufsteiger SC Freiburg geebnet und sich ganz nebenbei von einer Riesenlast befreit hatte. Nach Bekanntwerden seines Wechsels zu Schalke 04 hatte der 30 Jahre alte Brasilianer im letzten Heimspiel gegen den VfB Stuttgart (1:3) eine schwache Leistung geboten und war unter den Pfiffen der eigenen Fans vorzeitig ausgewechselt worden.

Sportdirektor Allofs erleichtert

Auch Werder-Sportdirektor Klaus Allofs zeigte sich nach der Show von Ailton, der mit seinen Treffern in der 14. und 28. Minute bereits früh für die Vorentscheidung sorgte, und dem vierten Sieg im fünften Auswärtsspiel erleichtert. Die besten Bilder vom 10.Spieltag jetzt in der Sport1-Diashow! "Das war wichtig für die Zukunft, jetzt kehrt wieder mehr Ruhe ein", betonte Allofs angesichts des Theaters um den Wechsel des nun in der Bundesliga-Torschützenliste führenden Ailton und Abwehrspieler Mladen Krstajic zum Konkurrenten Schalke.

Auswärts besser als daheim

Doch nicht nur die Kaltschnäuzigkeit Ailtons nährte die Hoffnungen der Bremer, die ihrem Coach Thomas Schaaf ein erfolgreiches Dienstjubiläum auf der Werder-Bank (150. Spiel) bescherten, auf die erste deutsche Meisterschaft nach 1993. Vor 25..000 Zuschauern im Dreisamstadion brannten die auswärts (12 Punkte) erfolgreicher als zu Hause (10 Zähler) agierenden Norddeutschen in der ersten Halbzeit ein spielerisches Feuerwerk ab und bescherten den Freiburgern auch dank des überragenden Fabian Ernst die erste Heimpleite der Saison. "Das war schon sehr beeindruckend", gestand Schaaf und betonte mit Blick auf die Tabelle: "Jetzt wollen wir nach oben angreifen". Auch Kapitän Frank Baumann betonte: "Wir haben das Potenzial für ganz oben." Rekordverdächtig zudem, dass 25 der bisherigen 26 Werder-Treffer in dieser Runde von ausländischen Profis erzielt wurden.

Trainer erkennt Schwächen

Allerdings blieben dem 42-jährigen Schaaf selbst während der Gala, die durch die Treffer von Johan Micoud (37.) und Ivan Klasnic (65.) abgerundet wurde, die Schwachstellen seines Teams nicht gänzlich verborgen. Abgesehen von der ungenügenden Chancenauswertung - neben zwei Aluminumtreffern durch Klasnic und Micoud hatte Bremen vier weitere hundertprozentige Tormöglichkeiten - haderte Jubilar Schaaf mit Nachlässigkeiten in der Abwehr. Angesichts von acht Gegentreffern in den vergangenen Spielen und ungeachtet des Werder-Höhenfluges stand dann auch Bremens Keeper Andreas Reinke wie ein Häuflein Elend in der Stadion-Katakomben und kritisierte seine Mitspieler. "Ich bin masslos enttäuscht. In der zweiten Halbzeit haben wir Larifari gespielt und prompt zwei unnötige Tore kassiert", haderte Reinke.

Finke erkennt Werders Stärke an

Die Aufsteiger aus Freiburg, für die Alexander Iaschwili (60. /90.) traf, erkannten indes die spielerische Überlegenheit der Gäste nach der ersten Heimschlappe der Saison neidlos an. "Wenn wir eine Mannschaft wie Werder schlagen wollen, muss bei uns alles zusammenpassen", analysierte Freiburgs Trainer Volker Finke und hält die Bremer derzeit für das "technisch stärkste Team der Bundesliga." Der bemitleidenswerte SC-Torhüter Richard Golz verschonte seine völlig überforderte Abwehr auch in Hinblick auf das am Mittwoch anstehende Pokalspiel gegen Schalke von harscher Kritik: "Bremen spielt um die Meisterschaft mit und wir nicht. Wir haben andere Ziele", sagte der 35-jährige Kapitän mit Blick auf den Klassenerhalt.


11. Spieltag (01.11.03) / 3. Tabellenplatz

WERDER - Eintracht Frankfurt 3 : 1 (2 : 0

Schaafs Team bricht Rehhagels Startrekord

München - Thomas Schaaf tritt in die Fussstapfen von Otto Rehhagel. Das ist für sich betrachtet nichts Neues in Bremen, ist Schaaf doch der Coach, der beim SV Werder auf die längste Amtszeit in der Ära nach dem Trainer-Übervater kommt. Schaaf, der 1999 schon nach wenigen Wochen als Cheftrainer den DFB-Pokal gewann, hat die Grün-Weissen nach durchwachsenen Ergebnissen in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre auch wieder zu einer nationalen Spitzenmannschaft geformt.

Acht aus elf

Dennoch schien er stets im Schatten des Mannes zu bleiben, unter dem er als Spieler so viele Erfolge gefeiert hatte. Doch seit dem hoch verdienten 3:1-Erfolg gegen Eintracht Frankfurt hat Werder unter Schaaf etwas erreicht, das es auch zu Zeiten Rehhagels an der Weser nicht gegeben hat. Sieben Siege aus den ersten elf Spieltagen hatten die Bremer bereits vier Mal errungen, in der Saison 2003/04 haben die Hanseaten nun schon acht Erfolge auf dem Konto. Zugegebenermassen können sie sich dafür derzeit recht wenig kaufen, doch die Bremer Qualität beeindruckt zumindest die Konkurrenz. Da machte Frankfurts Trainer Willi Reimann keine Ausnahme. "Wir haben gegen eine ganz starke Bremer Mannschaft verloren, die auf einigen Positionen einfach besser besetzt war."

Ailton so stark wie Elber

Besonders die Bremer Offensive war einfach zu gut für die Hessen. Dabei avancierte Ailton mit seinem Tor zum 1:0 in der 18. Minute, seinem 70. Treffer im Werder-Trikot, zum fünftbesten Schützen des Klubs in der Bundesliga. Zehn Saisontore nach elf Spieltagen konnte neben Ailton in den vergangenen fünf Jahren nur Giovane Elber vorweisen. Die übrigen Tore der Hanseaten gegen Frankfurt steuerten Kapitän Frank Baumann (24.) und der eingewechselte Ivan Klasnic (71.) bei. "Das war der dritte Sieg in einer Woche. Darüber bin ich froh und restlos zufrieden", meinte Schaaf nach der Partie.

Reinke überwindet sich selbst

Auch der kuriose Fehlgriff von Torhüter Andreas Reinke, der in der 66. Minute eine harmlose Flanke des Frankfurter Brasilianers Chris in die eigenen Maschen bugsiert hatte, konnte die Laune des Trainers nicht negativ beeinflussen. "Abhaken", so sein lapidarer Kommentar zu der Szene. Reinke selbst war erleichtert, dass seine Panne keinen Punktverlust zur Folge hatte: "Ich denke, damit habe ich jetzt meinen Fehler für diese Saison weg." Die Tatsache, dass seine Mannschaft nach eigener Aussage "den Gegner im Angriff nicht kontrollieren konnte und nur durch einen Torwartfehler heran kam", beunruhigte Frankfurts Trainer Reimann offensichtlich wenig.

Reimann blickt nach vorne

Nach der mehr als farblosen Vorstellung seines Teams fiel es dagegen nicht nur dem neutralen Beobachter schwer, an den Klassenerhalt der Hessen zu glauben. "Das war für Werder Bremen nur ein Trainingsspiel, mehr kann man nicht sagen", meinte Eintracht-Torwart Oka Nikolov deprimiert. Auch Bremens Sportdirekor Klaus Allofs merkte an, dass dem SV Werder 70 Prozent der Leistungsfähigkeit zum Sieg gereicht hätten. Reimann glaubt trotzdem nicht daran, dass den Frankfurtern ein Trainerwechsel wesentlich weiter helfen würde.

"Ich bin kein Zauberer"

"Kein Spieler wird über Nacht besser, wenn er einen neuen Coach bekommt", meinte er trotzig und mahnte, nicht den Blick für die Realität zu verlieren. "Ich bin kein Zauberer. Es kann nur unser Ziel sein, drei Mannschaften hinter uns zu lassen. Gegen Stuttgart heisst es nun besser spielen und die Chancen nutzen."


12. Spieltag (08.11.03) / 3. Tabellenplatz

Hannover 96 - WERDER 1 : 5 (0 : 3)

"Wenn Ailton geht, dann komme ich"

München - Mit Nelson Valdez hatten ausserhalb des direkten Bremer Umfeld die wenigsten gerechnet. Bundesliga-Toptorjäger Ailton fiel für das Nordderby bei Hannover 96 mit einer Bindehautentzündung aus, und so kam der 19-Jährige aus Paraguay an der Seite von Ivan Klasnic zu seinem ersten Einsatz von Beginn an. Die Hanseaten probten damit quasi den Ernstfall für die kommende Saison, in der sie dauerhaft auf Ailton werden verzichten müssen. Diese Probe bestand das neue Sturmduo mit Bravour. Nach den 90 Minuten hatten sowohl Valdez (8. und 37. Minute) als auch Klasnic (41./71.) zwei Tore erzielt. Fabian Ernst (87.) und Hannovers Jiri Stainer (55.) markierten die übrigen Treffer beim überlegenen Bremer 5:1-Erfolg. "Für mich ist ein Traum wahr geworden", gestand Newcomer Valdez nach seinem spektakulären Auftritt.

Schaaf: "Valdez ist ein Riesen-Talent"

Während Klasnic seine Bundesligatauglichkeit schon mehrfach nachgewiesen hat, verblüffte die Leistungsstärke seines Partners, der gerade erst einen Profivertrag bis 2007 bei den Grün-Weissen unterzeichnet hat. "Wir haben vorher schon gesagt, dass von unseren vier Stürmern jeder mit jedem spielen kann", meinte Werder-Trainer Thomas Schaaf. "Valdez ist ein guter Junge, ein Riesen-Talent. Wie er sich in der Spitze behauptet hat, das war schon klasse." Dass der Youngster überhaupt an der Weser gelandet ist, verdanken die Bremer wieder einmal den guten Südamerika-Kontakten von Klubchef Jürgen L. Born. "Ich war vor zwei Jahren unten und da wurde Valdez mir von mehreren Nachbarn empfohlen", erzählt Born.

Mit dem Präsidenten-Pullover durch den Winter

"Ich habe ihn mir dann einmal angeschaut und es war sensationell, was er da gezeigt hat." Der Präsident brachte den Nachwuchsmann gleich mit nach Bremen, wo er auch im Training mit der A-Jugend zu gefallen wusste. "Bleib hier, du passt zu uns", hat Born Valdez damals gesagt und ihn in der ersten Zeit an der Weser sogar bei sich wohnen lassen. "Es war ja gerade Winter. Da hat er dann immer meine Pullover getragen. Inzwischen geht es ihm ja besser, da kann er sich selbst anziehen." Ob der Ailton-Nachfolger nun schon gefunden sei, wurde Trainer Schaaf nach der Partie gefragt. "Wir brauchen keinen Ailton-Nachfolger, sondern gute Stürmer", antwortete der Coach. "Und Valdez ist einer."

Verdacht auf Mittelfussbruch

Der so Gelobte hofft allerdings schon, dass in die Fussstapfen des Brasilianers treten zu können: "Ailton ist in Bremen der Liebling der Fans. Aber wenn Ailton geht, dann komme ich." In den kommenden Wochen müssen die Bremer aber wohl ohne ihren Shooting-Star auskommen. Zum einen wurde er noch am Samstag Abend mit Verdacht auf Mittelfussbruch ins Krankenhaus gefahren. Zum anderen dürfte er, falls sich die Verletzung nicht als so schwerwiegend herausstellen sollte, von Ende November bei Mitte Dezember für Paraguay bei der U-20-WM in Saudi-Arabien im Einsatz sein. Dort trifft sein Team auch auf die deutsche Auswahl. Hannover 96 musste gegen Bremen gleich auf vier Leistungsträger verzichten. Dabei war Sorgenkind Jan Simak noch nicht einmal eingerechnet.

Simak interessiert 96-Team nicht

"Wir haben keine Signale von ihm erhalten", dementierte Vereinspräsident Martin Kind Gerüchte um ein vermeintlich baldiges Comeback des streitbaren Spielmachers. "Jan Simak interessiert uns nicht", sagte 96-Mannschaftskapitän Kostas Konstantinidis. "Lala, De Guzman, Kleber und Christiansen fehlen uns viel mehr. Diese Ausfälle können wir nicht auffangen." Das Resultat war die höchste Heimniederlage seit 1989. Generell scheinen sich die Niedersachsen in dieser Saison in der heimischen AWD-Arena nicht sonderlich wohl zu fühlen. Erst ein Sieg aus sechs Partien sorgt dafür, dass Trainer Ralf Rangnick wieder verstärkt Gegenwind entgegenbläst.

Rangnick verlässt sich auf seine Mannschaft

Der Coach selbst sieht die Situation dennoch gelassen. "Die Mannschaft hat sich bisher immer in schwierigen Situationen zusammen gerissen", meinte Rangnick. "Das hat sie vergangene Woche in Köln bewiesen und das wird sie auch weiterhin tun."


13. Spieltag (22.11.03) / 2. Tabellenplatz

WERDER - VfL Bochum 3 : 1 (2 : 0)

Der "Kugelblitz" ist nicht zu stoppen

Bremen - 13 Spiele, 13 Tore: Werder Bremen liegt Ailton zu dessen silber-beschuhten Füssen. "Wir geniessen einfach seine Tore und dass er noch da ist", sagte Sportdirektor Klaus Allofs nach dem 3:1 (2:0)-Erfolg gegen den VfL Bochum und dem Sprung auf Platz zwei. Vergessen ist das Hick-Hack um seinen Wechsel zu Schalke 04, der Brasilianer traf diesmal in der 6., 14. und 50. Minute (Foulelfmeter) und wurde bei seiner Auswechslung in der 65. Minute gefeiert wie ein heldenhafter Gladiator.

Ailton kommen schon leise Wechsel-Zweifel

Und obwohl der Abschied zum Saisonende beschlossene Sache ist, verschlimmert jeder Treffer, der dem Südamerikaner gelingt, den Trennungsschmerz. Ailton: "Natürlich tut es mir auch leid, dass meine Zeit hier in Bremen zu Ende geht. Aber die Entscheidung ist gefallen, und ich gehe zu Schalke." Zusätzlich peinvoll ist für den Torjäger, dass sein neuer Arbeitgeber in der Tabelle auf den zwölften Rang abgerutscht ist.

"Werden nicht einbrechen"

Doch die Hanseaten dürfen ihre Blicke mit Fug und Recht nach oben richten. Erneut brillierten die Norddeutschen vor 34.298 begeisterten Zuschauern, spielten einen völlig überforderten VfL Bochum an die Wand und sind nur zwei Punkte von Spitzenreiter VfB Stuttgart entfernt. "Wir sind weiter als in den vergangenen Jahren, wo wir in die Rückrunde immer eingebrochen sind. Das wird uns diesmal nicht passieren", meinte Mittelfeldspieler Krisztian Lisztes selbstbewusst.

Schaaf ärgert sich nur über die Chancen-Verwertung

Selbst Trainer Thomas Schaaf musste nach Haaren in der grün-weissen Suppe eine ganze Weile suchen. "Wir haben noch zu wenig Tore geschossen, und der Gegentreffer ärgert mich", sagte der Werder-Coach. Doch selbst bei dem strengen Fussball-Lehrer überwogen am Ende die positiven Eindrücke: "Es wurde sichtlich mit Freude und Spass gespielt. Wir arbeiten ineinander und haben Selbstbewusstsein."

Bochum nur ein Sparrings-Partner

Die Bochumer Akteure hingegen waren das personifizierte Gegenteil. Mut- und kraftlos schlichen die Westdeutschen über den Rasen, selbst das einzige Tor, das ausgerechnet der von den Bremern unworbene Frank Fahrenhorst (75.) erzielte, entsprang nur einer Spendierlaune der Werder-Deckung. Einem deprimierten Trainer Peter Neururer blieb nur die verbale Flucht in den Sarkasmus: "Wir hätten nach 14 Minuten das Ergebnis unterschreiben und nach Hause fahren sollen." Die noch schmeichelhafte Niederlage verlängerte gleich zwei Misserfolgsserien der Gäste. Neururer konnte in sechs Anläufen noch keinen Punkt an der Weser holen, der VfL blieb sogar im 28. Versuch in der Hansestadt sieglos.

"Können Stuttgart schlagen"

Für den 48-Jährigen Coach kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. "Wir haben viele Fehler gemacht, die wir nicht wiederholen werden. Und dann können wir am Samstag auch den Tabellenführer VfB Stuttgart im Ruhrstadion schlagen", prophezeite Neururer. Nicht nur schlagen, sondern sogar stürzen, falls der SV Werder das zeitgleiche Nordderby beim Hamburger SV gewinnen sollte.

Werder mit VfL-Hilfe an die Spitze?

Nach dem besten Bundesliga-Start aller Zeiten ist das für Schlussmann Andreas Reinke, der selbst einst das HSV-Tor hütete, eine realistische Vorgabe: "Wir werden da unsere Chance haben und kommen voller Zuversicht nach Hamburg." Für die Bremer spricht insbesondere, dass sie ihre einzigen Punktspielniederlagen nach Länderspielpausen kassierten, gegen Bochum aber von der ersten Sekunde an voll im Tritt waren. Für Schaaf ein wichtiges Indiz, dass seine Truppe gereift ist: "Sie bewältigt Einflüsse von aussen jetzt besser. Auch deshalb können wir uns alle auf dieses Derby freuen."


14. Spieltag (29.11.03) / 2. Tabellenplatz

Hamburger SV - WERDER 1 : 1 (0 : 1)

29. Remis zwischen Hamburg und Bremen perfekt

Hamburg - Tabellenführung verpasst, aber Thomas Schaaf wollte sich einfach nicht in der Öffentlichkeit darüber ärgern. "Man muss auch mal mit einem Punkt zufrieden sein", wiederholte Werder Bremens Trainer nach dem 1:1 (0:1) im 79. Nordderby beim Hamburger SV gebetsmühlenartig, "wir haben doch nichts verloren und unsere Chancen nach oben gewahrt."

Bremen lässt sich den "Schneid abkaufen"

Da war sie wieder, die Bremer Bescheidenheit. Aber Schaaf und seine Spieler wissen wohl selbst am besten, dass man solche Partien gewinnen sollte, wenn man ernsthaft an den Titel denkt. "Wir haben gezeigt, was wir drauf haben, aber in der zweiten Hälfte haben wir uns etwas den Schneid abkaufen lassen", sagte Fabian Ernst. Schliesslich hatte Bremen sogar noch Glück, dass sich Schiedsrichter Herbert Fandel drei Minuten vor Schluss nicht zu einem Handelfmeter für den HSV durchringen konnte, als Paul Stalteri einen Kopfball von Bastian Reinhardt mit dem Arm auf der Linie abwehrte. "Das war ein klares Handspiel, er verschafft sich einen klaren Vorteil," meinte HSV-Trainer Klaus Toppmöller, "da kann man auch mal Elfmeter geben". Nur eine Woche nach seinem "falschen" Platzverweis gegen Hasan Salihamidzic in München stand Fandel damit erneut im Mittelpunkt. "Es war auf keinen Fall Strafstoss", sagte der Unparteiische, "der Arm ging nicht zum Ball." Aber jeder Bremer wusste, dass in dieser Szene durchaus Glück im Spiel war: "Den kann man pfeifen", sagte Torwart Andreas Reinke, "aber über die Saison gleicht sich sowas aus."

SVW dominiert in der ersten Hälfte

Dabei war es eine Demonstration der Spitzenklasse, die die Grün-Weissen im ersten Durchgang vor 55.500 Zuschauern in der ausverkauften AOL-Arena auf den Rasen zauberten. Spielerisch, technisch, taktisch und läuferisch dominierte Werder die Gastgeber, die zu Beginn grosse Schwierigkeiten hatten, überhaupt ins Spiel zu finden. "Ich habe meine Spieler in der Pause gefragt, wovor sie denn Angst haben", meinte Toppmöller.

Ailton vergibt "Hundertprozentige"

Vor Ailton zum Beispiel, Johan Micoud oder Fabian Ernst. "Werders Asse trumpfen auf", hatten die mitgereisten Fans auf Plakaten mit Zeichnungen ihrer Topstars geschrieben, und schon nach 26 Sekunden hatte Ailton eine hundertprozentige Torchance. Doch ausser der 1:0-Führung durch Ernst (28.) sprang beim Bremer Einbahnstrassenfussball nichts Zählbares heraus.

"Gelegenheit zum Sieg war da"

"Wir haben unsere Chancen im ersten Durchgang nicht genutzt", bedauerte Schaaf, "die Gelegenheit zum Sieg war da. Doch Ailton, Micoud und Krisztian Lisztes, sie alle waren diesmal letztlich nicht konsequent und abgebrüht genug und gaben dem HSV dadurch die Chance, in ein Spiel zurückzukommen, an dem er in den ersten 45 Minuten praktisch nicht teilgenommen hatte. Toppmöller wechselte zur Pause mit Christian Rahn auch die Wende ein. Der Nationalspieler flankte auf Sergej Barbarez, dessen Kopfball Andreas Reinke erstklassig parierte (46.), schoss aus 13 Metern drüber (47.) und verwandelte dann einen Freistoss direkt zum Ausgleich (50.). Aus halbrechter Position drehte er die Kugel flach mit dem linken Fuss ins kurze Eck. "Alle haben mit einer Flanke gerechnet, da habe ich einfach draufgehauen", sagte der Blondschopf.

Schaaf ärgert sich

Der HSV war plötzlich im Spiel, hatte Chancen und drückte die Bremer in die Defensive. Die grosse Souveränität war weg, die Bremer wirkten wie ein ganz normales Bundesligateam. "Das war die schlechteste zweite Hälfte seit Wochen", sagte Ivan Klasnic. So ärgerte sich Schaaf dann auch doch noch öffentlich über das weggeschenkte Tor zum Ausgleich. "Dieser Treffer wäre nun wirklich zu vermeiden gewesen", kritisierte der Trainer, "die Mauer stand schlecht und muss auch mal eingreifen. Jeder weiss, dass Rahn mit links schiesst.


15. Spieltag (06.12.03) / 2. Tabellenplatz

WERDER - FC Bayern München 1 : 1 (0 : 0)

Abseitstor von Pizarro

Nach der gelungenen Generalprobe beim Pokalsieg gegen den Hamburger SV vertraute Hitzfeld auch im Spitzenspiel beim SV Werder Bremen auf ein Dreiermittelfeld mit drei Stürmern davor. Dass es am Ende sogar eines Abseitstores von Claudio Pizarro (79.) bedurfte, um zumindest einen Zähler aus dem hohen Norden mit auf die Heimfahrt zu nehmen, spiegelt den Spielverlauf nicht wirklich wider. Im mit 43.000 Zuschauern komplett ausverkauften Weserstadion waren die Bayern dank aggressiver und leidenschaftlicher Spielweise die bessere Mannschaft gegen eine Bremer Elf, deren Offensivkraft sich zu keinen Zeitpunkt des Spiels entfalten konnte.

Ailtons 14. Treffer

So entsprang der Führungstreffer der Werderaner auch einem Foulelfmeter von Ailton (58.), der sein Torekonto damit schon auf 14 Treffer schraubte. Ein Foul von Bixente Lizarazu an Ivan Klasnic war vorausgegangen, das der kleine Franzose als "f...ing shit" bezeichnete.

Neues System

"Das Entscheidende heute war die Erkenntnis, dass wieder jeder für den anderen da ist. Wir haben unheimlich engagiert und taktisch clever gespielt und Werder gar nicht zur Entfaltung kommen lassen", erklärte Oliver Kahn. Und das neue System? Irgendwie verblüfft die Variante Hitzfelds und auch die defensivere Ausrichtung Michael Ballacks auf den ersten Blick. Bei genauerer Betrachtung wird jedoch ersichtlich, dass die Bayern dadurch de facto mit fünf Spielern in die Offensive gehen können. Und dass ein defensives Mittelfeld mit Ballack und Owen Hargreaves für die Spieleröffnung Gold wert sein kann.

Zuversicht wächst wieder

Die Bayern blasen in Zeiten der drohenden Krise im wahrsten Sinne des Wortes zum Angriff. Vor dem entscheidenden Champions-League-Spiel gegen den RSC Anderlecht, in dem nur ein Sieg zählt, sicherlich nicht die schlechteste Lösung. Zwar warten die Bayern gegen Werder nun schon seit sieben Spielen auf einen Erfolg, die Mannschaft konnte nur eins der letzten vier Pflichtspiele gewinnen und auch der Rückstand auf Spitzenreiter VfB Stuttgart ist nicht geschmolzen - dennoch blicken sie in München schon wieder zuversichtlicher in die Zukunft.

Hoeness bleibt gelassen

"Der Punkt reicht uns aus, um noch ein Wörtchen in der Meisterfrage mitreden zu können", sagte Uli Hoeness schnippisch. Wohl wissend, dass der nächste Gegner im Olympiastadion der momentane Tabellenführer sein wird. So sah es dann auch Ottmar Hitzfeld: "Wenn man wie wir nicht auf dem höchsten Level spielt, dann muss man mit dem Punkt in Bremen zufrieden sein."

Schaaf sauer

Bei den Hanseaten dagegen trauerte man einer grossen Chance nach: "Wir dürfen uns das Spiel nach unserer Führung nicht mehr nehmen lassen", haderte Werder-Trainer Thomas Schaaf mit seiner Elf. Dadurch blieb Werder zum ersten Mal in dieser Saison zwei Spiele in Folge ohne "Dreier". Am Rande der Partie kursierten übrigens auch noch diverse Namen zur Ailton-Nachfolge. Neben Miroslav Klose, um den sich Werder laut Sportdirektor Klaus Allofs "bemühen wird, wenn er denn zu uns kommen will", denken einige offenbar auch an eine Rückkehr von Pizarro. "Natürlich könnte Claudio einer für uns sein, aber diese Diskussion muss man wohl nicht ernsthaft führen. So einen Spieler gibt Bayern München nicht ab", relativierte Allofs prompt. Und Pizarro gab bekannt: "Ich fühle mich in München jetzt wieder wohl." Kein Wunder, befinden sich die Bayern ja nun wieder auf dem Weg der Besserung.


16. Spieltag (13.12.03) / 1. Tabellenplatz

Bayer 04 Leverkusen - WERDER 1 : 3 (0 : 2)

Werder nach Sieg im Verfolger-Duell Erster

Leverkusen - Mit einer abgeklärten Leistung hat Werder Bremen zum ersten Mal seit dem achten Spieltag die Tabellenspitze der Bundesliga übernommen und ist nach dem 3:1 (2:0) bei Bayer Leverkusen nun erster Anwärter auf den Gewinn der inoffiziellen Halbzeitmeisterschaft. "Wir haben endlich mal gegen eine Spitzenmannschaft gewonnen und eine tolle Leistung gezeigt. Kompliment an meine Truppe, sie kann nicht nur gut Fussball spielen, sondern heute hat sie auch dagegengehalten und grossartig gekämpft", kommentierte Werder-Trainer Thomas Schaaf den Erfolg im Verfolgerduell. "Werder hat das Zeug zum Meister. Die stehen gut, haben wenig Fehler gemacht und besitzen einfach gute Fussballer", lobte Bayer-Manager Reiner Calmund.

Chancen eiskalt verwertet

Auch wenn der erste gefährliche Angriff der Norddeutschen bis zur 20. Minute auf sich warten liess, so war der sechste Bremer Auswärtssieg der Hinrunde (Vereinsrekord) nicht unverdient. Ailton (42.), der zuvor noch mit einer Grosschance an Bayer-Torwart Butt gescheitert war, verwandelte nach Vorarbeit von Ivan Klasnic zum 0:1. Nur zwei Minuten später erhöhte Mladen Krstajic auf 0:2

"Man hat gesehen, mit welcher Hingabe Krstajic und Ailton vor dem Transfer nach Schalke spielen und kämpfen", lobte Werders Sportdirektor Klaus Allofs die beiden Torschützen. "Ich bin froh, dass wir unsere Chancen genutzt haben und uns durch den Doppelschlag vor der Pause einen Vorsprung erspielt haben. Das hat uns Sicherheit gegeben", meinte Schaaf.

Effektivität und Kampfgeist

Nach dem Platzverweis gegen Johan Micoud (Gelb-Rot, 66.) und dem Anschlusstreffer von Jens Nowotny (72.) hofften die Gastgeber wieder auf die Wende, doch Bremens Abwehr liess keinen weiteren Gegentreffer zu. "Es war sehr wichtig und grossartig von meiner Mannschaft, dass sie danach dagegen gehalten hat und kämpferisch durchgehalten hat", freute sich Schaaf. Kristian Lisztes stellte in der Nachspielzeit den Endstand her. Weiteres Beispiel der Bremer Effektivität: Der Elfmeter nach Nowotnys Foul gegen Charisteas war der erste Torschuss des Ungarn.

Bayer seit fünf Pflichtspielen sieglos

Weniger gut gelaunt präsentierte sich Leverkusens Trainer. "Unser Problem ist die Chancenauswertung. Das zieht sich in den letzten Wochen wie ein roter Faden durch. Bremen hat seine Chancen genutzt und bewiesen, dass es eine Spitzenmannschaft ist", urteilte Klaus Augenthaler. "Wir haben zwar drei gute Stürmer, aber die haben nur neun Tore erzielt, dagegen hat Ailton schon 15 auf seinem Konto. Das macht den Unterschied aus.

Bayer kassierte nach elf ungeschlagenen Bundesligaspielen die erste Niederlage seit fast vier Monaten. Zugleich war es die erste Heimpleite unter Augenthaler. In den vergangenen fünf Pflichtspielen (kein Bundesligasieg und das Pokal-Aus beim Regionalligisten TSG Hoffenheim) blieben die Rheinländer jedoch den Beweis schuldig, eine Spitzenmannschaft zu sein.

Nowotny sieht Rot

Tabellenführer war Bayer in dieser Saison an fünf Spieltagen, doch nun läuft Augenthalers Mannschaft Gefahr, am letzten Hinrundenspieltag in Stuttgart den Kontakt zu Platz eins zu verlieren. Zudem muss Bayer beim VfB auf Jens Nowotny verzichten. Der Kapitän sah in der Nachspielzeit nach einem vermeintlichen Foul an Charisteas die Rote Karte.

"Der Schiedsrichter hat einen 80-Meter-Sprint hinlegen müssen. Vielleicht hat er deshalb nicht gesehen, dass Jens den Ball gespielt hat. Rot war nicht berechtigt", meinte Calmund. Der Manager kündigte an, eine Stellungnahme beim DFB abgeben zu wollen, um so eine Sperre gegen Nowotny zu verhindern. Guter Start in die Rückrunde Pflicht. Ohne Micoud will Werder im letzten Heimspiel der Saison gegen Hansa Rostock einen guten Jahresabschluss feiern. "Es ist wunderbar an der Spitze zu stehen. Jetzt haben wir natürlich das grosse Ziel vor Augen, dort auch zu überwintern", sagte Nationalspieler Fabian Ernst.

"Dass wir das Zeug für ganz oben haben, das wissen wir. Das haben wir in den letzten Spielen gezeigt", ergänzte Ernst. "Aber wir wollen nicht zu voreilig sein und müssen erstmal gut in die Rückrunde starten." Das sah auch Schaaf nicht anders: "Wir haben ein gesundes Selbstbewusstsein, bleiben aber trotzdem weiter kritisch", erklärte der Ex-Profi. "Für uns zählt es jetzt, in der Rückrunde eine starke Leistung zu zeigen. Wir haben da in den letzten Jahren einiges hergegeben."


17. Spieltag (16.12.03) / 1. Tabellenplatz (Herbstmeister)

WERDER - Hansa Rostock 3 : 0 (1 : 0)

Bremen zum fünften Mal Herbstmeister

Bremen/München - Werder Bremen ist durch das 3:0 (1:0) über Hansa Rostock zum fünften Mal Halbzeit-Meister der Bundesliga. Der 400. Heimsieg der Bremer in der Bundesliga war allerdings nicht so deutlich, wie es das Ergebnis ausdrückt.

Ailton trifft zum 16. Mal

"Wir können nicht immer glänzen, aber es war wichtig, dass wir gewonnen haben", meinte Trainer Thomas Schaaf sachlich und versprach: "Wir werden uns konzentriert auf die Rückrunde vorbereiten. Ich hoffe, dass Ailton dann nachlegen wird. Der Brasilianer hatte seine Mannschaft in der dritten Minute mit seinem 16. Saisontor auf die Siegerstrasse gebracht. Bereits zum zehnten Mal erzielte Ailton damit die wichtige 1:0-Führung für den SV Werder. Vorausgegangen war ein Dicker Patzer von Delano Hill.

Rostock im Abschluss zu harmlos

Nach dem Rostocker Präsent stellte Werder vor 32.754 Zuschauern weitere Bemühungen unverständlicherweise gänzlich ein. Der Gelb-Rot-gesperrte Spielgestalter Johan Micoud wurde schmerzlich vermisst. Dass Bremen zum ersten Mal in dieser Saison zu Hause zu Null spielte lag an der Harmlosigkeit der Rostocker. "Wir sind dem schnellen Tor hinterher gerannt und sind zu zwei, drei sehr guten Chancen gekommen. Mehr bekommt man in Bremen nicht", sagte Hansas Mittelfeldspieler Rene Rydlewicz enttäuscht nach dem Spiel. Rade Prica vergab gleich drei Mal in aussichtsreicher Position. Der Schwede war nach seinem Tor gegen Köln wieder in die Anfangself gerückt, avancierte aber zum tragischen Helden einer zuletzt erfolgreichen Hansa-Elf.

Niederlage fällt zu hoch aus

Rostock musste sich nach sechs Spielen ohne Niederlage mal wieder beugen und bleibt mit 19 Punkten vorerst auf Rang elf. Valerien Ismael köpfte in der 78. Minute sein erstes Bundesligator und entschied somit die Partie. Für den Endstand sorgte Krisztian Lisztes in der 89. Minute. "Unsere 0:3-Niederlage war ein bisschen hoch, sie wirft uns aber nicht um. Wir hatten zuviel Respekt vor Werder und sind deshalb nicht sehr gut ins Spiel gekommen. Bis zum zweiten Gegentor habe ich immer noch an einen Punktgewinn geglaubt", analysierte Hansa-Coach Juri Schlünz die Niederlage.

Ismael und Krstajic mit Problemen

Auf Seiten der Bremer sorgte Fabian Ernst dafür, dass Rostock nicht noch häufiger gefährlich vor Torwart Andreas Reinke auftauchte. Der Nationalspieler verlor in der ersten Halbzeit nur einen von 15 Zweikämpfen. "Man hat gesehen, dass der Mannschaft der Saft fehlte, um noch mal richtig aufdrehen zu können", sagte Ernst. Vor allem die Innenverteidiger Ismael und Mladen Krstajic hatten viele Abstimmungsfehler und luden Hansas Offensive zu Torchancen ein. Ernst meinte trotzdem: "Insgesamt stehen wir nach der Hinrunde zurecht oben. Ich bin überzeugt, dass wir auch noch nach 25 Spielen unter den ersten Drei zu finden sind und dann werde ich die Frage nach der Meisterschaft nicht verneinen."

Allofs mit Arbeitssieg zufrieden

Reinke freute sich nach dem Spiel auf die Weihnachtsfeier: "Jetzt dürfen wir mal richtig feiern und dann entspannt in den Urlaub gehen." Der Keeper war zu Saisonbeginn vom spanischen Klub Real Murcia mit seinem VW-Bus direkt zum ersten Werder-Training angereist und will nun "die Knochen ruhen lassen". Werder-Sportdirektor Klaus Allofs zeigte sich trotz der spielerischen Mängel zufrieden: "Wir können nicht in jedem Spiel ein Feuerwerk abbrennen, wir müssen auch mal mit einem Arbeitssieg zufrieden sein." Abschliessend sendete Allofs noch ein deutliches Signal an die Konkurrenz: "Wir überwintern nun ganz oben und wollen uns von dort auch nicht mehr verdrängen lassen." Werder hat die grosse Chance, nach 1965, 1988 und 1993 zum vierten Mal Deutscher Meister zu werden.


18. Spieltag (31.01.04) / 1. Tabellenplatz

WERDER - Hertha BSC Berlin 4 : 0 (3 : 0)

Bremen top - Hertha ohne Mumm

"Wir werden nach dem Bremen-Spiel einige Erkenntnisse haben", sagte Hans Meyer vor der Partie im Weserstadion. Nach der 0:4-Pleite beim Tabellenführer düfte nicht nur dem neuen Hertha-Coach klar sein, dass es für die ambitionierten Hauptstädter in dieser Saison nur noch darum gehen kann, den Abstieg irgendwie zu verhindern.

"Eine Katastrophe"

"Wir haben zwar ganz gut angefangen", sagte Verteidiger Marko Rehmer. "Aber nach dem blöden 1:0 durch Ailton fiel bei uns alles zusammen." So präsentierte sich die "Alte Dame" ab der 17. Minute unverändert zu den Auftritten der Hinserie: Kraft-, mut- und ideenlos. Die Konsequenz: Der selbsterklärte Champions-League-Kandidat findet sich auf Rang 18 wieder. "Eine Katastrophe", fand Rehmer. Dem hatte sein Trainer nichts engegenzusetzen.

Bobic hat "die Schnauze voll"

"Das war schon schlimm. Es sah aus, als ob wir überhaupt nicht trainiert hätten", meinte Meyer. Die Hertha sei nach dem 2:0 durch Ailton (30.) "als Team regelrecht weggebrochen", fand der Trainer. Eklatante Schwächen in der Defensive, kein Dagegenhalten im Mittelfeld, Flaute im Sturm - trotz des begnadigten Fredi Bobic. Der gab in 90 Minuten gerade einmal einen Torschuss ab und war nach der Partie sichtlich bedient. "Ich bin hier wieder der Dackel", sagte Bobic. Er ärgere sich "wahnsinnig und habe die Schnauze voll", meinte der vereinsintern heftig kritisierte 32-Jährige. Doch der verhinderte Goalgetter sah auch Positives: "Vor ein paar Monaten hätten wir hier noch mit 0:8 verloren."

Meyer "enttäuscht"

Dennoch: Hans Meyer klagte, von Organisation sei bei der Hertha "überhaupt nichts zu sehen" gewesen. "Ich bin enttäuscht über die Art und Weise der Niederlage", sagte Meyer. Denn seine Elf hatte sich nach dem frühen Rückstand aufgegeben - und taumelt weiter in Richtung Zweite Liga. Spätestens nach dem 3:0 von Johan Micoud (35.) spielte nur noch Werder.

Allofs und Schaaf euphorisch

"Beeindruckend", fand Manager Klaus Allofs die Leistung des SVW. "Es lief sehr rund bei uns", sagte selbst der ansonsten eher zurückhaltende Coach Thomas Schaaf. Den ersten Dreier zum Rückrundenauftakt seit drei Jahren verdankte Bremen vor allem seinem genialen Regisseur Micoud - und Ailton. Der Brasilianer erzielte in seiner 18. Partie seine Saisontore Nummer 17 und 18 und festigte damit den Anspruch der Bremer auf den vierten Meistertitel der Vereinsgeschichte.

Das neue Selbstbewusstsein bei Werder

In der zweiten Hälfte verwaltete Werder den Sieg nur noch. Als Nelson Valdez den Schlusspunkt setzte (90.), war die Partie längst entschieden. "Wir haben sicherlich einen Gang rausgenommen", gab Schaaf zu. Dann hatte der 42-Jährige noch einen Gruss an die Konkurrenz parat: "Trotzdem haben wir das Spiel noch kontrolliert." Soll heissen: Auch mit einer Durchschnittsleistung dominiert Werder die Liga. Schaaf personifiziert das neue Selbstbewusstsein bei Werder. "Die Mannschaft ist gewillt, nachzulegen", sagte er mit Blick auf die kommenden Aufgaben.

"Das ist super"

Werder thront mit vier Punkten vor dem Zweiten aus Stuttgart an der Spitze. Die Bayern liegen nach dem 1:1 in Frankfurt gar schon sechs Punkte hinter Bremen. "Das ist super", findet nicht nur Ailton. Bei all dem Jubel angesichts des Triumphes dachte der Brasilianer aber auch an den geschlagenen Gegner. "Kopf nach oben, weiter arbeiten", empfahl Ailton den Herthanern. Wie man's macht, hatte er ihnen zuvor auf dem Platz gezeigt.


19. Spieltag (07.02.04) / 1. Tabellenplatz

Borussia M'gladbach - WERDER 1 : 2 (0 : 0)

"So werden wir Meister"

Mönchengladbach/München - Wer soll diesen SV Werder eigentlich stoppen? Torjäger Ailton nur auf der Bank, 20 Minuten nur mit zehn Mann - und trotzdem marschiert Werder Bremen weiter Richtung Titel. Nach dem 2:1(0:0)-Sieg auf dem Mönchengladbacher Bökelberg hat der Spitzenreiter zumindest bis zum Sonntaabend sieben Punkte Vorsprung auf den VfB Stuttgart und sogar neun auf den FC Bayern.

Werder unbeeindruckt

Beeindruckend, wie die Bremer auch nach dem Rückstand durch Vaclav Sverkos (51.) weiter nach vorne spielten und sofort zurückschlugen. Ivan Klasnic erzielte in der 54. Minute nach einer Konfusion in der Gladbacher Hintermannschaft den Ausgleich. Durch seinen siebten Saisontreffer hat der Kroate auch im Vertragspoker mit Werder wieder alle Trümpfe in der Hand. Eine Entscheidung, ob der Stürmer zum Hamburger SV wechselt, oder doch an der Weser bleibt, soll noch in dieser Woche fallen. "Wenn die Vorstellungen aber weiter so weit auseinader liegen, wird es keine Einigung geben", meinte Sportdirektor Klaus Allofs. Wie schon unter der Woche, als Werder im Pokal-Viertelfinale in Fürth das Spiel in Unterzahl noch drehte, zeigte der Spitzenreiter auch in Gladbach wieder Kämpfer-Qualitäten: Obwohl Mladen Krstajic in der 72. Minute mit Gelb-Rot vom Feld musste spielte Werder weiter nach vorne - und wurde belohnt.

Baumann mit Last-Minute-Tor

Frank Baumann sorgte nach einem Gewühl im Gladbacher Strafraum kurz vor dem Abpfiff für den Siegtreffer. "Die Mannschaft ist dafür belohnt worden, dass sie auch mit zehn Mann weiter nach vorne gespielt hat", meinte Trainer Thomas Schaaf nach der Partie. Und tatsächlich sieht es so aus, als ob die Bremer momentan nichts schocken könnte. Wie der FC Bayern in besten Zeiten spielt der SVW mit breiter Brust auf, und auch die schlechteren Spiele werden wie selbstverständlcih gewonnen. "Wer die Spiele so gewinnt, wird Meister", meinte ein zufriedener Allofs.

Schaaf schaut sich VfB an

Am Sonntag können sich Schaaf und seine Truppe ganz beruhigt zurücklehnen, wenn die Bayern gegen Hannover und Stuttgart in Berlin ihre Spiele erstmal gewinnen müssen. Ob Schaaf die schwächelnden Bayern gar nicht mehr als Hauptkonkurrenten im Kampf um den Titel sieht? Es sieht fast so aus, denn der Werder-Coach schaut sich die Partie der Stuttgarter an... Matchwinner Frank Baumann betonte, dass man auch in den nächsten Wochen nicht nachlassen werde: "Wir dürfen uns keine Nachlässigkeiten erlauben und müssen weiter hat für den Erfolg arbeiten. Wir haben noch Grosses vor."

Willkommen im Abstiegskampf

Die Gladbacher stehen nach zwei sieglosen Spielen im neuen Jahr wieder genau da, wo sie eigentlich nicht mehr hinwollten - nämlich mitten im Abstiegskampf. "Eine ganz bittere Niederlage. Meine Mannschaft hatte lange zuviel Angst, Fehler zu machen", meinte Trainer Holger Fach nach der Partie. Zu wenig Druck im Spiel nach vorne, unzählige Stock- und Abspielfehler, desolates Abwehr-Verhalten bei den Gegentoren. Die Borussia 2004 präsentiert sich trotz des Halbfinal-Einzugs im DFB-Pokal in der Bundesliga wie ein Abstiegskandidat. In der nächsten Woche muss die Fach-Truppe zum Vize-Meister nach Stuttgart, danach geht es gegen Freiburg und Frankfurt. Spätestens dann müssen Punkte her, sonst wird es wieder einmal bis zum letzten Spieltag eine Zitter-Saison für die Borussia bleiben.


20. Spieltag (15.02.04) / 1. Tabellenplatz

WERDER - 1.FC Kaiserslautern 1 : 0 (0 : 0)

Ailton eiskalt in letzter Sekunde

Bremen - Sonntag, 19.16 Uhr. Im Bremer Weserstadion hatten sich beim Spiel des SV Werder gegen den 1. FC Kaiserslautern bereits alle mit Bremens erster Nullnummer in dieser Saison abgefunden. Aber dann: Ein Pfiff, ein kollektiver Kaiserslauterer Schrei des Entsetzens - Elfmeter für Werder in der 92. Minute. Lauterns Aleksander Knavs hatte Ailton von den Beinen geholt. Der Brasilianer trat selbst an und vollstreckte eiskalt zu seinem 19. Saisontor. Damit ist der SV Werder Bremen dem vierten Meistertitel der Vereinsgeschichte ein gehöriges Stück näher gekommen.

"Werden für unseren Einsatz belohnt"

"Jetzt haben wir gute Chancen, Meister zu werden", jubelte Ailton nach dem dritten Last-Minute-Sieg binnen 13 Tagen. Schon vergangene Woche erzielten die Hanseaten in Gladbach das Siegtor in der Nachspielzeit, zuvor wurde Zweitligist Greuther Fürth erst in den Schlusssekunden aus dem Pokal geworfen. "Das zeigt, dass wir immer die Entscheidung suchen. Im Moment werden wir für unseren Einsatz belohnt", sagte Bremens Coach Thomas Schaaf. Mittelfeldspieler Fabian Ernst sieht allerdings Anlass zu Kritik: "Wir sollten auch wieder spielerisch überzeugen. Auf Dauer sollten wir uns nicht auf unser Glück verlassen."

FCK schon acht Mal ohne Torerfolg

Mit dem Sieg hat Werder den Vorsprung an der Tabellenspitze auf neun Zähler zu den Verfolgern Bayern München und VfB Stuttgart ausgebaut. In 40 Jahren Bundesliga hatten erst zwei Teams am 20. Spieltag solch einen Vorsprung - Nürnberg und Bayern wurden anschliessend Meister. Die Pfälzer zeigten im zweiten Spiel unter Trainer Kurt Jara weiter aufsteigende Tendenz, finden sich mit nur 18 Punkten allerdings auf einem Abstiegsplatz wieder. Der FCK blickt weiter in eine ungewisse Zukunft. In den vergangenen sieben Partien gelang ihnen nur ein Dreier - acht Mal blieben die "Roten Teufel" in dieser Saison ohne Treffer. Das ist "Liga-Spitze".

Klose vergibt Grosschancen

Vor 36.933 Zuschauern im Weserstadion war das Resultat trotz der klaren Feldvorteile der Platzherren etwas schmeichelhaft. Die "Roten Teufel" agierten zwar weitgehend defensiv, waren jedoch bei Kontern stets gefährlich. Alleine Miroslav Klose hätte die Gäste in der ersten Hälfte bei Grosschancen in Führung bringen müssen. Einmal scheiterte der Nationalstürmer völlig freistehend an Torwart Andreas Reinke - anstatt auf den mitgelaufenden Hrstov abzuspielen.

Fingerzeig des Nationalstürmers

Wenig später kam er nach einer Riedl-Flanke aus fünf Metern frei zum Kopfball. Verteidiger Valerien Ismael rettete artistisch auf der Linie. Doch auch sein Sturmpartner Vratislav Lokvenc scheiterte in der 64. und 68. Minute jeweils aus aussichtsreicher Position. "Wenn die weiter so viel Glück haben wie heute, wird Bremen Meister", sagte Klose. Der Nationalspieler gab nach dem Spiel sogar einen Fingerzeig, ob er in der kommenden Saison für Werder auf Torejagd geht: "Es sieht ganz gut aus."

Werder rennt lange vergebens an

Allerdings hatten die Hanseaten vor allem in der zweiten Hälfte auch gute Möglichkeiten: Drei Minuten nach Wiederbeginn konnte FCK-Torhüter Tim Wiese in letzter Sekunde dem einschussbereiten Tim Borowski den Ball vom Fuss nehmen. Vier Minuten später wurde der Ungar Krisztian Lisztes bei einem Schussversuch in letzter Sekunde abgeblockt. Dennoch spielte der mit bislang 51 Toren erfolgreichste Bundesliga-Sturm an diesem Abend unter seinen Möglichkeiten. Weder der Brasilianer Ailton noch sein Stürmerkollege Ivan Klasnic konnten sich gegen die sehr solide verteidigenden Gäste entscheidend in Szene setzen.

Bremen seit elf Spielen ohne Niederlage

Bis zur 92. Minute: Für FCK-Trainer Kurt Jara, in dessen Team sich Abwehrchef Timo Wenzel und der überragende Schlussmann Tim Wiese die Bestnoten verdienten, war es ein "halbes Foul". Ailton sah das natürlich anders: "Das war ein hundertprozentiger Elfmeter." "Den muss man in der Nachspielzeit nicht pfeiffen", hielt Jara dagegen. Was bleibt: Bremen startet mit der perfekten Ausbeute von drei Siegen in die Rückserie, ist seit insgesamt elf Partien ungeschlagen. Das gelang zuletzt in der Saison 1992/93 - am Ende hielten die Grün-Weissen die "hässlichste Salatschüssel der Welt" in den Händen.


21. Spieltag (21.02.04) / 1. Tabellenplatz

FC Schalke 04 - WERDER 0 : 0 (0 : 0)

Ailton trifft nicht - Werder gewinnt nicht

München - "Es wird sein wie immer: Sie pfeifen mich aus, und ich schiesse ein Tor." Das hat Ailton gesagt. Am Samstag um 17.18 Uhr konnte man festhalten: Der Bremer hatte sich in beiderlei Hinsicht geirrt. Die 61.266 Fans empfingen den künftigen Schalker mit tosendem Applaus, und getroffen hat der Führende der Torschützenliste auch nicht in der Arena. Die weiteren Fakten zu Ailton: zwei Torschüsse, die wenigsten Ballkontakte und die schwächste Zweikampfquote aller Bremer. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Nicht Ailtons Tag

Ailton traf nicht, Werder gewann nicht. 0:0, zum ersten Mal in dieser Saison ist Bremen ohne Torerfolg geblieben. Es war nicht Ailtons Tag. In der fünften Minute hatte er Pech, als er mit einem formidablen Drehschuss nur knapp scheiterte. Und in der 37. Minute hatte er nochmal Pech, als ihn Nico van Kerckhoven im Strafraum von den Beinen holte, die Pfeife von Schiedsrichter Wack aber stumm blieb. "Keine Nervosität", habe er verspürt, teilte der Bremer Torjäger hinterher mit und blickte bedröppelt zu Boden.

"Sentimentalitäten sind fehl am Platz"

Auch Mladen Krstajic, wie Ailton kommende Saison ein "Königsblauer", wollte von einer besonderen Brisanz der Partie nichts wissen. "Das war ein Bundesligaspiel wie jedes andere", befand er. Im Gegensatz zu Ailton machte er aber eine klasse Partie. Er war der zweikampfstärkste Bremer. "Sentimentalitäten sind hier fehl am Platz", sagte der überragende Spieler auf dem Feld und verabschiedete sich, schon in ein königsblaues Trikot gehüllt, von seinen künftigen Kollegen.

Zufriedenheit bei Werder

Die Bremer haben am Samstag zwei Punkte ihres gewaltigen Vorsprungs auf die Bayern eingebüsst. Trotzdem herrschte Zufriedenheit bei Werder. "Wir brauchen nicht auf die anderen zu schauen, sondern müssen unseren Part erfüllen. Wir haben gegen einen starken Gegner nicht gewonnen, aber manchmal muss man auch mit einem Punkt zufrieden sein", urteilte Trainer Thomas Schaaf. "Wir haben einen Punkt gewonnen", fand auch Sportdirektor Klaus Allofs.

Bremen auf Meisterkurs

Werder ist nun seit zwölf Spielen unbesiegt - eine solche Serie gelang den Bremern zuletzt vor elf Jahren. Damals wurden sie Meister. Auch diesmal soll es so kommen. "Das Ziel kann nur die Deutsche Meisterschaft sein", sagte Allofs und Krstajic fügte an: "Ich bin optimistisch, dass wir Meister werden." Auch die Konkurrenz ist mittlerweile überzeugt von Werders Titelqualitäten. "Ich habe den neuen Deutschen Meister gesehen", glaubt Ebbe Sand, "Werder hat einen Riesenlauf und eine Supertruppe."

Schalke seit 408 Minuten ohne Gegentor

Auch auf Seiten der Schalker war kaum einer unglücklich. "Wir hatten Chancen, aber ich glaube, das Unentschieden geht in Ordnung", sagte Trainer Jupp Heynckes. Die "Königsblauen" setzten ihre positive Serie fort: Seit acht Partien sind sie jetzt ungeschlagen und seit 408 Minuten ohne Gegentor.

Auf dem Weg in den "Döner-Cup"

"Wenn wir nächste Woche in Stuttgart drei Punkte holen, finden wir den Anschluss nach oben", glaubt Torwart Frank Rost. Manager Rudi Assauer ist sich da noch nicht so sicher. Er fürchtet, dass der Lokalrivale aus Bochum den Schalkern in dieser Saison den Rang abläuft. "Bochum spielt nächstes Jahr in der Champions League und wir im Döner-Cup", orakelte Assauer, dem schon wieder eine UI-Cup-Teilnahme schwant: "Wenn wir Glück haben, können wir wieder den ganzen Nahen Osten bereisen."


22. Spieltag (28.02.04) / 1. Tabellenplatz

WERDER - Borussia Dortmund 2 : 0 (0 : 0)

Mit Solidarität und Arbeit auf dem Weg zum vierten Titel

Bremen - "Wenn Du solche Spiele gewinnst, wirst Du Meister" heisst ein immer wieder gerne zitierter Satz in der Fussballersprache. Vor dem Spiel gegen Borussia Dortmund dürfte der SV Werder schon ein wenig "Bammel" gehabt haben. Schliesslich hatten die Bremer aus den letzten drei Heimspielen gegen Dortmund nur einen Punkt geholt und nur eines der letzten sechs Heimspiele für sich entscheiden können.

Glanzloser Erfolg gegen den Angstgegner

Doch der Herbstmeister rang den BVB vor 43.000 Zuschauern im ausverkauften Weserstadion verdient 2:0 (0:0) nieder und untermauerte damit seine Ambitionen auf den vierten Titel. Ein echter Arbeitssieg gegen einen Angstgegner. "Vielleicht hätten wir ein solches Spiel in der Hinserie mit 3:0 oder 4:0 gewonnen, aber wir können doch nicht immer zaubern", argumentierte Werder-Sportdirektor Klaus Allofs. (Alle Samstagsspiele in "Bundesliga pur": Sonntag, ab 9.45 Uhr und ab 13 Uhr im DSF)

Ismaels Antwort auf nervende Fragen

Ausgerechnet Abwehrspieler Valerien Ismael brachte Werder per Freistoss in der 57. Minute in Führung. Richtig, der Ismael, der im Hinspiel in Dortmund Werders unglückliche 0:1-Niederlage mit seinem Eigentor besiegelt hatte. "Ich wollte unbedingt ein Tor machen. Die Fragen nach dem Eigentor im Hinspiel haben genervt, das war heute meine Antwort", freute sich der Franzose.

Glück beim Führungstor

"Es war das von uns erwartet schwere Spiel", sagte ein erleichterer Werder-Trainer Thomas Schaaf. "Wir haben Glück gehabt, dass wir durch den abgefälschten Ball in Führung gegangen sind. Danach konnten wir sicherer kombinieren und haben verdient gewonnen." Ismael traf bei seinem Torschuss den Kopf seines Landsmanns Guy Demel, der den Ball per Kopf unhaltbar für seinen Torhüter Guillaume Warmuz abfälschte. Für die Entscheidung sorgte Ailton mit seinem 20. Saisontreffer in der 86. Minute. Während die Norddeutschen nun schon seit 13 Spielen ohne Niederlage sind, die letzten vier Heimspiele zu Null gewannen und nur ein Gegentor in den letzten sechs Partien kassiert haben, wurde Dortmunds Serie von zuletzt drei Siegen in Folge gestoppt.

Rosicky erleidet Unterarmbruch

Und es kam noch schlimmer für die finanziell arg gebeutelten Westfalen: Acht Minuten vor dem Ende erlitt Tomas Rosicky nach einem Zusammenprall mit Bremens Krstajic einen Bruch des linken Unterarms zu. Damit steht dem 23-Jährigen eine längere Pause bevor. "Werder hat auf den Fehler gelauert, wer den macht, wird bestraft", lautete Sammers Fazit. Seine Mannschaft hatte das Spiel in der ersten Halbzeit über weite Strecken bestimmt, es aber versäumt, ihre Konterchancen zu nutzen.

"Das wirft uns nicht um"

Unsicherheit wegen der finanziellen Situation des Klubs war den BVB-Spielern nicht anzumerken. "Das 0:2 wirft uns nicht um", meinte Sebastian Kehl. Im Kampf um die Qualifikation für den überlebenswichtigen internationalen Wettbewerb fehlen den Westfalen nur zwei Punkte zu einem Uefa-Cup-Platz. "Wir wollen nach oben, und mit der Leistung der letzten Wochen und von heute kommen wir da auch wieder hin", ergänzte der Mittelfeldspieler.

Micoud betont die Solidarität

Ganz oben ist der SV Werder. Weiterhin sieben Punkte beträgt der Vorsprung auf den FC Bayern, zwölf Punkte liegen die Hanseaten vor dem Tabellendritten aus Stuttgart. "Wir haben die Punkte gemacht, und das zählt", meinte Mittelfeldregisseur Johan Micoud. Von der Meisterschaft wollte der ehemalige Profi des AC Parma noch nicht reden. "Wir wollen auf diesem Weg weitermachen. Unsere Stärke ist die Solidarität in der Mannschaft. Wenn wir weiter mit dieser Einstellung spielen, dann können wir ganz nach oben schielen."

Reinke bleibt verletzt in der Kabine

Auch das verletzungsbedingte Ausscheiden von Torwart Andreas Reinke, für den nach der Pause der beschäftigungslose Pascal Borel kam, verkrafteten die Bremer problemlos. "Jeder denkt, sieben Punkte seien viel, aber wir müssen weiter arbeiten und konzentriert bleiben", ergänzte Valerien Isamel. "Dann kann es unser Jahr werden."


23. Spieltag (07.03.04) / 1. Tabellenplatz

TSV 1860 München - WERDER 0 : 2 (0 : 1)

Bremen marschiert weiter Richtung Titel

München - Konzentriert, abgeklärt und scheinbar unaufhaltsam marschiert Werder Bremen seiner vierten Deutschen Meisterschaft entgegen. Auch bei 1860 München, das bereits in der 22. Minute Roman Tyce durch Platzverweis verlor, präsentierten sich die Hanseanten wie der neue Souverän der Fussball-Bundeslgia.

Schaaf nüchtern, Klasnic selbstbewusst

"Wir haben sicher nicht glanzvoll gespielt, aber das Spiel bestimmt", bilanzierte Thomas Schaaf. "Die ganze Mannschaft agiert diszipliniert", freute sich der Werder-Trainer. "Wir müssen von Spiel zu Spiel denken. Aber wenn wir so weiter spielen, holt uns keiner mehr ein", sprach Torschütze Ivan Klasnic das neue Werder-Selbstbewusstsein aus.

Achter Treffer

Durch den achten Saisontreffer von Klasnic (37.) und einen Treffer von "Joker" Angelos Charisteas (79.) besiegte der Tabellenführer die "Löwen" nahezu mühelos mit 2:0 (1:0) und behielt seinen Vorsprung von sieben Punkten vor Verfolger und Titelverteidier Bayern München. Der TSV 1860, gegen den die Bremer ihre letzten vier Auswärtsspiele verloren hatten, liegt dagegen weiter nur drei Punkte vor der Abstiegszone. Den ohnehin von Beginn an überlegenen Gästen erleichterte die Mannschaft von Trainer Falko Götz zusätzlich einen angenehmen Abendspaziergang.

Wildmoser und Götz sauer auf Tyce

In der 22. Minute revanchierte sich "Heisssporn" Tyce für ein "Textilvergehen" von Frank Baumann mit einer Tätlichkeit und wurde folgerichtig vom aufmerksamen Schiedsrichter Jürgen Jansen (Essen) vom Platz gestellt. Baumann seinerseits sah für seine Regelwidrigkeit die Gelbe Karte und fehlt seiner Mannschaft beim kommenden Heimspiel gegen den 1. FC Köln. "Manchmal fragt man sich schon: Warum stehe ich hier bei dieser Eiseskälte und muss mich über Roman Tyce ärgern?", schimpfte 1860-Präsident Karl-Heinz Wildmoser zur Pause. Der Platzverweis machte die bis dahin herrschenden Kräfteverhältnisse noch deutlicher. "Wir schlagen uns wieder selbst. Das ist nicht akzeptabel". ärgerte sich auch Falko Götz. "So was kann ich nicht gutheissen. Diese Disziplinlosigkeiten werde ich mir nicht mehr gefallen lassen", polterte der "Löwen"-Trainer.

Stark unter Druck

Die Bremer hatten die "Löwen" schon von Beginn an so stark unter Druck gesetzt, dass diese kaum über die Mittellinie kamen, und warteten anschliessend clever auf Fehler des Gegners. Die entscheidenden Patzer unterliefen den Gastgebern dann bereits in der 37. Minute: Der wieder genesene Fernando liess den ansonsten unauffälligen Top-Torjäger Ailton ungehindert flanken, Klasnic verlängerte den Ball mit dem Fuss ins lange Eck.

Bratwürste gibt es nicht

Die Münchner, die für einen Sieg gegen den Tabellenführer eine Woche lang Bratwürste bis zum Abwinken von Bayern-Manager Uli Hoeness zugesichert bekommen hatten, waren anschliessend nur noch um Schadensbegrenzung bemüht. Durch Weitschüsse von Martin Stranzl (39.) und Marco Kurz (54.) brachten sie das Tor des SV Werder zwar zwischenzeitlich in Gefahr, waren mit nur neun Feldspielern allerdings deutlich unterlegen.

Glück für Bremen

Glück hatte der Tabellenführer aber in der 78. Minute, als der eingewechselte Andreas Görlitz zunächst einen Freistoss ans Lattenkreuz zirkelte und Ismael den Nachschuss des ebenfalls eingewechselten Paul Agostino von der Linie schlug. Praktisch im Gegenzug machte "Joker" Angelos Charisteas mit seinem Kopfballtreffer nach Flanke von Paul Stalteri gegen den ansonsten guten "Löwen"-Torhüter Michael Hofmann alles klar.


24. Spieltag (13.03.04) / 1. Tabellenplatz

WERDER - 1.FC Köln 3 : 2 (3 : 0)

Tourneeauftakt für Bremen und Köln

Bremen - Die 83. Spielminute im Bremer Weserstadion könnte nicht nur den Ausgang der Partie Werder Bremen gegen den 1.FC Köln, sondern eine ganze Saison entschieden haben. Freistoss Dirk Lottner von rechts. In der Mitte steigt Matthias Scherz hoch und köpft den 3:3-Ausgleich für den Tabellenletzten. Schiedsrichter Edgar Steinborn vom SV Westum zeigt aber nicht zur Mitte, sondern entscheidet auf indirekten Freistoss für Werder. Mustafa Dogan soll Werder-Torhüter Andreas Reinke gefoult haben.

Neun Punkte Vorsprung

Zehn Minuten später: Nach 93 aufreibenden Minuten siegte der Spitzenreiter 3:2 und baute seinen Vorsprung auf Bayern München nach deren Remis gegen Rostock auf satte neun Punkte aus. Die vierte Meisterschaft ist zum Greifen nahe. Für die Bremer Fans unter den 39.555 im Weserstadion bestand daran zumindest kein Zweifel mehr. Auch wenn noch zehn Spiele zu absolvieren sind.

"Einfach unglaublich"

Gleichzeitig dürfte die bittere Niederlage den endgültigen Abstieg für den 1.FC Köln bedeuten. Vor allem die Art und Weise der sechsten Pleite in Folge stiess den Kölnern bitter auf. "Es ist einfach unglaublich. Ich weiss schon gar nicht mehr, was ich sagen soll. Es ist jedes Mal das Gleiche: Wir spielen gut mit, aber am Ende gewinnen die anderen", sagte Lottner konsterniert. Der FC spielte auf dem Papier zwar defensiv, war bis zum ersten Gegentor aber die bessere Mannschaft.

Also doch nach Burghausen

Johan Micoud (16.) sowie Ailton (37. und 43.) mit seinen Saisontoren 21 und 22 schossen Werder nach jeweils haarsträubenden Abspielfehlern der Gäste schon vermeintlich klar auf die Siegerstrasse. Nach der Pause brachten Oliver Schröder (57.) und Lottner (71.) die Hanseaten gehörig ins Stolpern, den Fall verhinderte Steinborns Pfiff sieben Minuten vor Schluss. Kölns Alexander Voigt sah in der 87. Minute zu allem Überfluss auch noch die Gelb-Rote Karte. "Eigentlich wollte ich nie wieder in meinem Leben nach Burghausen fahren. Aber da werde ich wohl nicht drum herum kommen", so Lottner sarkastisch.

Vereinsrekord

Auf Seiten der Grün-Weissen nimmt das Glück in dieser Saison schon fast bajuwarische Formen an. 15 Mal in Folge sind die Bremer nun schon ungeschlagen - Vereinsrekord. Trainer Thomas Schaaf hob ob der Lobeshymnen dennoch den Zeigefinger: "Statistiken bringen mir gar nichts. Wir lassen uns nicht verrückt machen."

Tourneebeginn für beide

Und Mittelfeldspieler Krisztian Lisztes murrte: "Wir haben nicht wie ein Meister gespielt, die Kölner aber auch nicht wie ein Absteiger." Trotzdem wird der 24. Spieltag beiden Mannschaften wohl lange im Gedächtnis bleiben. Für Werder als Auftakt zur Meistertournee und für den FC als Start der Abschiedstour aus Liga eins.


25. Spieltag (21.03.04) / 1. Tabellenplatz

VfL Wolfsburg - WERDER 0 : 2 (0 : 0)

Werder schafft Vorentscheidung im Titelrennen

Wolfsburg - Spitzenreiter Werder Bremen ist dem vierten deutschen Meistertitel einen grossen Schritt näher gekommen. Der Tabellenführer der Fussball-Bundesliga gewann das Nordderby beim VfL Wolfsburg mit 2:0 (0:0) und baute seinen Vorsprung vor Verfolger Bayern München auf elf Punkte aus.

Schaaf zufrieden mit Hälfte zwei

"In der ersten Halbzeit haben wir sicherlich nicht so rund gespielt, aber nach der Pause war das besser. Da haben wir nachgesetzt und die Tore gemacht", stellte Werder-Trainer Thomas Schaaf fest und sah eine Vorentscheidung im Titelkampf: "Wenn wir uns Spiel für Spiel weiter so konzentrieren und nicht nach rechts und links zur Seite sehen, wird der Weg nicht mehr holprig."

Röber gratuliert zum Titel

Für Wolfsburgs Coach Jürgen Röber steht der Meister 2004 bereits fest: "Ich glaube, wenn man elf Punkte vorne ist, lässt man sich das nicht mehr nehmen." Eine Siegchance für sein Team hatte der VfL-Trainer nur in der ersten Halbzeit gesehen: "Gegen eine Mannschaft, die 15 Mal hintereinander nicht verloren hat und zu Recht da oben steht, kriegt man nur wenige Chancen. Aber die muss man dann auch nutzen, dann kann man so ein Spiel auch gewinnen."

Tore durch Klasnic und Micoud

Die souveränen Hanseaten kamen durch Tore von Stürmer Ivan Klasnic (75.) und Mittelfeldregisseur Johan Micoud (85.) zum 19. Saisonsieg und sorgten damit für eine Vorentscheidung im Titelrennen. Zuvor hatte ausgerechnet Top-Torjäger Ailton einen Foulelfmeter verschossen (67.). Neben dem verschossenen Strafstoss vergab der Pokalfinalist vor 30.000 Zuschauern in der ausverkauften VW-Arena auch weitere Grosschancen zum Teil fahrlässig. Dabei präsentierte sich das Sturmduo Ailton und Klasnic lange Zeit ungewohnt schwach im Abschluss.

Ramovic mehrfach stark

Die erste grosse Tormöglichkeit für die Gäste resultierte allerdings aus einem groben Schnitzer des Wolfsburger Mittelfeldspielers Miroslav Karhan, der in der vierten Minute mit einem Querschläger seinen Torwart Sead Ramovic prüfte. Der Keeper konnte den Ball auf der Linie gerade noch stoppen. Auch im weiteren Verlauf stand der Schlussmann des VfL mehrfach im Mittelpunkt. Einen Schuss des freistehenden Klasnic in der 23. Minute parierte er sicher. Glück hatte Ramovic dann eine Minute vor der Pause, als erneut Klasnic aus zwölf Metern haarscharf am Tor vorbeischoss.

Klimowicz vergab kläglich

Die grösste Chance der Platzherren vergab Diego Klimowicz im ersten Durchgang kläglich. Nach einem frechen Hackentrick von Spielmacher Andres D'Alessandro und der anschliessenden Massvorlage von Marko Topic brachte der Argentinier das Kunststück fertig, den Ball freistehend aus acht Metern am Tor vorbeizuschiessen.

Ailton trifft nicht, Klasnic schon

Nach dem Seitenwechsel blieb das Spiel zunächst zerfahren und auf beiden Seiten von Unsicherheiten im Spielaufbau bestimmt. Als dann VfL-Abwehrspieler Marino Biliskov den Bremer Regisseur Micoud im Strafraum foulte, konnte Ailton die Chance zum Siegtor zunächst nicht nutzen. Acht Minuten später sorgte dann Klasnic doch noch für die Bremer Erlösung.

Klasnic und Ernst überragend

Beste Spieler bei den Gastgebern waren Torhüter Ramovic und Angreifer Topic, der das Spiel seiner Mannschaft immer wieder nach vorne trieb. Auf Seiten der Bremer glänzten vor allem Torschütze Klasnic und Fabian Ernst im Mittelfeld.


26. Spieltag (28.03.04) / 1. Tabellenplatz

VfB Stuttgart - WERDER 4 : 4 (2 : 3)

Bremen bleibt nach Torfestival in Stuttgart auf Titelkurs

Stuttgart/München - Als Schiedsrichter Herbert Fandel die Partie im Stuttgarter Gottlieb-Daimler-Stadion abpfiff, rissen die Bremer die Arme hoch. Der designierte Deutsche Meister hatte beim VfB zwar nicht gewonnen. Dennoch durfte sich Werder nach einer völlig verrückten Partie, die nach 90 Minuten Fussball Total 4:4 (2:3) endete, wie ein Sieger fühlen.

Bremen "meisterhaft"

Zwar verringerte sich der Rückstand von Verfolger Bayern München auf neun Zähler. Doch die Leistung des Tabellenführers gegen bärenstarke Schwaben liess kaum einen Zweifel daran, dass die Schale am Ende der Saison an die Weser geht. "Das war meisterhaft von Werder Bremen", meinte Willi Lemke, Ex-Manager und jetzt Aufsichtsrat der Grün-Weissen, im DSF. "Wir sind mit dem Punkt sehr, sehr zufrieden", sagte auch Sportdirektor Klaus Allofs. Coach Thomas Schaaf haderte zwar mit den vier Gegentreffern, meinte aber: "Ich will nicht meckern. Schliesslich war es wichtig, dass wir uns gewehrt und dass wir gegen einen unheimlich starken VfB Stand gehalten haben.

"Fantastisch, sensationell, aufregend"

Dass dem so war, lag wieder einmal an Werders Sturmduo Ailton/Klasnic. Beide Torjäger trafen je zwei Mal. Den beiden Treffern von Klasnic (13./35.) liess Ailton seine Saisontore Nummer 23 und 24 (43./70.) folgen. Schaaf sah ein "fantastisches Spiel", Allofs fand es "sensationell" und Keeper Andreas Reinke meinte, für die Zuschauer sei es "eine total aufregende Partie" gewesen.

Werder mit seltenen Fehlern

"Acht Tore zu sehen, ist wunderbar", erklärte Reinke. Er selbst sei jedoch "nicht ganz zufrieden". Denn "wenn man vier Tore kriegt, kann man das nicht sein". Auch Trainer Schaaf meinte, dass "über die Gegentore noch zu reden" sei. Dennoch: "Es war ein Spiel, über das wir uns alle freuen können", sagte Schaaf. Und auch Torhüter Reinke konnte den Toren des VfB etwas Positives abgewinnen: "Wenn man keine Fehler macht, gäbe es keine Tore. Dann wäre es langweilig." Die vier Gegentreffer waren folglich nur ein kleiner Wermutstropfen im Bremer Jubelkelch. Auf der Gegenseite wirkte Felix Magath jedoch, als hätte er einen Magenbitter getrunken.

Magath hadert mit seinem Team

"Unser Ziel ist es, Zweiter zu werden. Ich schaue nur nach oben. Deshalb bin ich auch nicht glücklich über das Ergebnis, sondern enttäuscht", liess der VfB-Coach wissen. Aber auch er sah Positives. "Ich freue mich, dass die Mannschaft trotz der Rückschläge immer wieder gekommen ist. Das hat gezeigt, dass wir eine tolle Moral haben."

"Besser als Ailton"

Zudem durfte sich der Coach über einen aussergewöhnlichen Auftritt von Marcelo Bordon freuen. Der Abwehrspieler traf drei Mal (3./24./50.), ehe Marco Streller (69.) das zwischenzeitliche 4:3 schoss. "Bei einem Topspiel muss man eben etwas Besonderes machen", sagte der Brasilianer über seinen Dreierpack. Der 28-Jährige hatte auch noch einen Seitenhieb für seinen Landsmann im Werder-Trikot parat: "Heute war ich sogar besser als Ailton." "Es wäre schön, wenn er das noch öfter für uns machen könnte", sagte Magath über den Verteidiger, der den VfB spätestens im Sommer 2005 in Richtung Gelsenkirchen verlassen wird. "Ich kann heute gut schlafen", meinte Bordon nach der Partie. Das gilt wohl auch für die Gäste aus Bremen, die weiter vom vierten Meistertitel der Vereinsgeschichte träumen dürfen.


27. Spieltag (04.04.04) / 1. Tabellenplatz

WERDER - SC Freiburg 1 : 1 (1 : 1)

Nervenflattern bei Werder Bremen

München/Bremen - Gerät Werder Bremen im Meisterschafts-Endspurt doch noch ins Straucheln? Gegen den SC Freiburg kam der Tabellenführer im heimischen Weserstadion nicht über ein 1:1 (1:1) hinaus. Und dass, obwohl der Aufsteiger die letzten 25 Minuten in Unterzahl spielen musste. Zlatan Bajramovic hatte Gelb-Rot gesehen.

Schaaf: "Kein Muffensausen"

"Wir kriegen kein Muffensausen", versuchte Thomas Schaaf jegliche Spekulationen über eine mögliche Werder-Schwächephase gleich im Keim zu ersticken. "Wir haben nicht das richtige Mittel gefunden", musste der Bremer Trainer nach dem meist kopflosen Anrennen seiner Mannschaft aber eingestehen.

25. Saisontor für Ailton

So stand nur das 25. Tor von Ailton (18.) zu Buche, eingeleitet durch Ivan Klasnic? elfte Torvorlage. Beides Ligabestwerte. Aber nicht genug gegen den Aufsteiger, so dass Schaaf forderte: "Wir kriegen nichts geschenkt. Wir müssen uns in jedem Spiel neu beweisen." Nächste Gelegenheit dazu ist in Frankfurt - und der Vorsprung auf die Bayern beträgt nur noch sieben Punkte.

Allofs bleibt gelassen

"Sieben Punkte, das sind immer noch mehr als im Winter", stellte Klaus Allofs klar. "Heute dürfen sich mal die anderen freuen. Wir können nicht immer ein Feuerwerk abbrennen", blieb der Werder-Sportdirektor gelassen.

Baumann kritisch

Etwas kritischer sah es Frank Baumann. "Wir waren nicht eng genug an den Leuten. Daran litt auch das Offensivspiel", prangerte der Werder-Kapitän an. "Das ist zu wenig und ein kleiner Rückschlag", so Baumann, der sich die Spitzenreiter-Laune aber nicht verderben liess: "Wir sind optimistisch wegen der Meisterschaft. Da lassen wir uns auch nicht davon abbringen." Wer weiss. Den Freiburgern jedenfalls reichte eine spielerisch starke Anfangs-Viertelstunde und ein schnelles Tor, um Werder aus dem Tritt zu bringen. Dennis Kruppke benötigte gerade mal 19 Sekunden, um sein erstes Bundesligator und den schnellsten Treffer der Saison zu markieren.

Finke gibt Erfolgsrezept preis

Danach verdienten sich die Freiburger den Punkt durch überragende Laufbereitschaft und perfekte Teamarbeit. Das brachte Volker Finke wie folgt auf den Punkt: "Viele Hände fangen auch den Stärksten. Wenn man sich gegen Micoud zu zweit oder dritt hilft, kriegt man die Bremer unter Kontrolle und auch eigene Torchancen", gab der Sportclub-Trainer sein Erfolgsrezept preis.

Bajramovic nach Platzverweis erregt

Dennoch gab es einen traurigen Freiburger: Bajramovic. Dessen Gelb-Rote Karte war allerdings auch ein verspäteter Aprilscherz von Schiedsrichter Jörg Kessler gewesen. "Ich habe meinen Mund gehalten und trotzdem Gelb-Rot gesehen", beschrieb der Bosnier die fragliche Szene. Der fünfte SCF-Auswärtspunkt dürfte Balsam auf seine Wunden sein. Und für den Aufsteiger sicher ein Meilenstein auf dem Weg zum Klassenerhalt.


28. Spieltag (10.04.04) / 1. Tabellenplatz

Eintracht Frankfurt - WERDER 0 : 1 (0 : 0)

Werder hält FCB mit Glück auf Distanz

Frankfurt/Main - Hinterher wurden mal wieder die Fernsehbilder bemüht. Es wurde vor- und zurückgespult, angehalten, die Zeitlupe beobachtet, und wieder zurückgespult. Immer und immer wieder stürzte Nelson Valdez in den Strafraum der Frankfurter. Die entscheidende Frage war: Hatte ihn Alexander Schur vor der Strafraumgrenze am Trikot gezupft oder im Strafraum?

Auf Tatortsuche

Schiedsrichter Jürgen Jansen entschied sich in der Hitze des Gefechts für den Elfmeterpfiff. Mit einigem Abstand und nach Sichtung der Fernsehbilder blieb er bei seinem Fehl-Urteil. Selbst im Standbild könne er nicht erkennen, wo der Tatort war. Er war vor der Sechzehner-Linie. Warum die Nachbetrachtung von Valdez' Flug derart ausführlich geriet, liegt auf der Hand. Valerien Ismael verwandelte den folgenden Strafstoss in der 80. Minute. Davor war noch kein Tor gefallen - und danach fiel auch keins mehr. Bremen siegte äusserst glücklich mit 1:0 (0:0) gegen wackere Frankfurter, die jetzt Vorletzter sind und vor ihrem dritten Abstieg stehen.

Bremen mit meisterlichem Fortune

Bremens Trainer Thomas Schaaf wollte sich zur spielentscheidenden Situation nicht äussern, verwies stattdessen auf andere Szenen in dieser Saison, in denen die Bremer keinen Strafstoss zugesprochen bekommen hätten. Das war aussagekräftig genug. Letztlich ist die Diskussion zwar spannend, aber wie immer müssig. Fest steht nun: Bremen hat nicht nur das Können, um Meister zu werden, sondern auch das nötige Fortune.

Ailton und Micoud ausgewechselt

"Es war ganz schwierig heute", bekannte Ismael, "es war nicht schön, aber wichtig". Wohl wahr. Der Sieben-Punkte-Abstand zu den Bayern ist so gewahrt geblieben. Beschweren hätten sie sich nicht dürfen, wären sie am Samstag zum dritten Mal in Folge nur zu einem Remis gekommen. Die Frankfurter hätten zwar im Leben kein Tor geschossen, aber die Bremer hätten es beinahe auch nicht geschafft. Johan Micoud, Ailton, Ivan Klasnic - drei der Stärksten der vergangenen Monate wechselte Schaaf aus. Die Frankfurter hatten das Trio zermürbt.

"Solche Spiele gehören zu einer Meister-Saison dazu"

Schaaf ist da ganz schmerzfrei, er scheut sich nicht, seine Stars vorzeitig vom Feld zu holen. "Wir müssen die Leistung beurteilen. Ailton war heute nicht so gut drauf, auch Johan Micoud konnte nicht seine gewohnte Leistung abrufen. Da habe ich mir gedacht: Probieren wir mal was Neues aus." Und siehe da: Der neue Mann Valdez brachte die Bremer auf die Siegerstrasse. Es passt alles ins meisterliche Bild. "Solche Spiele gehören zu einer Meister-Saison dazu", befand Sportdirektor Klaus Allofs.

Frankfurt: Vierte Pleite in Folge

In Frankfurt kreisen die Gedanken um ganz andere Dinge. Die Zweite Liga ruft - so laut, dass es den Eintracht-Spielern in den Ohren schallt. Vier Spiele in Folge verloren, seit 370 Minuten ohne Tor und in den kommenden Wochen auch noch ohne die Hoffnungsträger Ioannis Amanatidis und Ingo Hertzsch. Amanatidis sah wie auch Bremens Ümit Davala nach einer Rauferei in der 41. Minute die Rote Karte und wird in den kommenden Wochen nicht zur Verfügung stehen. Ingo Hertzsch musste mit Verdacht auf Nasenbeinbruch nach 73 Minuten ausgewechselt werden.

Reimann flüchtet sich in Durchhalteparolen

Frankfurts Trainer Willi Reimann, dessen Team auch in der dritten Partie seiner Fünf-Spiele-Sperre keinen Punkt holte, flüchtete sich in Durchhalteparolen: "In der Winterpause war unsere Situation viel schlechter. Wir haben immer noch die Möglichkeit, Punkte zu holen und so die Klasse zu halten." Sie sollten schleunigst damit anfangen.


29. Spieltag (18.04.04) / 1. Tabellenplatz

WERDER - Hannover 96 0 : 0 (0 : 0)

SVW verpasst Vorentscheidung

Bremen - Spitzenreiter Werder Bremen hat die Vorentscheidung im Titelkampf verpasst: 26 Stunden nach der 0:2-Niederlage von Verfolger Bayern München bei Borussia Dortmund kamen die Hanseaten im Nord-Derby gegen Hannover 96 nicht über ein 0:0 hinaus. Dennoch baute der Herbstmeister seinen Vorsprung an der Tabellenspitze auf acht Punkte weiter aus.

Ausverkauftes Stadion

Vor 42.500 Zuschauern im ausverkauften Weserstadion hatten sich die Platzherren das nicht einkalkulierte Remis jedoch selbst zuzuschreiben. Die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf vergab bei überlegener Spielweise viele hochkarätige Gelgenheiten und liess dabei vor Hannovers Tor die letzte Konsequenz vermissen.

Lizstes ganz schwach

Besonders Bremens Mittelfeldspieler Krisztian Lizstes hatte einen rabenschwarzen Tag erwischt und scheiterte innerhalb von 120 Sekunden gleich zweimal (58. und 60.) in aussichtsreicher Position. Bremens Trainer Thomas Schaaf nahm im Fernduell mit den Bayern die vergebene Chance nicht allzu tragisch: "Wir wollten unbedingt drei Punkte. Die Mannschaft hat vor allem in der zweiten Hälfte alles versucht, deswegen sind wir mit dem einen Punkt zufrieden." Der Zähler für die Gäste war jedoch durchaus verdient. Die Truppe von 96-Coach Ewald Lienen unterstrich ihre neue Sicherheit in der Hintermannschaft und machte mit ihrer kompakten Spielweise dem Favoriten das Leben sehr schwer.

Sieg war drin

Mit ein wenig Glück hätten die Niedersachsen sogar ihren dritten Sieg in Folge landen können, doch Werder-Torhüter Andreas Reincke entschärfte elf Minuten nach der Pause einen Gewaltschuss von Julian De Guzman mit einer bravorösen Parade. Das Spiel der Platzherren litt auch unter der schwachen Tagesform von Torjäger Ailton. Der Brasilianer, in dieser Saison schon 25-mal erfolgreich, bekam gegen seinen Bewacher Peer Mertesacker kaum einen Stich und wurde deshalb 18 Minuten vor dem Schlusspfiff ebenso vom Feld genommen wie sein ebenso erfolgloser Stürmerkollege Ivan Klasnic.

Einwechselspieler brachten keine Besserung

Doch auch die frischen Stürmer Angelos Charisteas und Nelson Valdez konnten den entscheidenden Treffer für die weiterhin beste Rückrunden-Mannschaft nicht mehr erzwingen. Abwehrspieler Valerien Ismael, der die fünfte Gelbe Karte sah, sowie Nationalspieler Fabian Ernst im Mittelfeld waren die stärksten Akteure bei den Bremern. "Ich wollte unbedingt die Defensive stärken. Wenn man keine Gegentore bekommt, kann man auch nicht verlieren. Wir hatten zwar kaum Torchancen, aber insgesamt war es ein sehr wichtiger Punktgewinn", sagte 96-Coach Ewald Lienen.

Ziegler mit Bestnote

Neben Mertesacker verdiente sich bei Hannover, das zum fünften Mal in Folge ungeschlagen blieb, der fehlerfreie Torhüter Marc Ziegler die Bestnote.


30. Spieltag (25.04.04) / 1. Tabellenplatz

VfL Bochum - WERDER 0 : 0 (0 : 0)

Werder wieder nur Unentschieden

Bochum - Spitzenreiter Werder Bremen hat in der Fussball-Bundesliga trotz der Fortsetzung seiner eindrucksvollen Erfolgsserie im Titelrennen zwei Punkte verloren. Durch das 0:0 beim VfL Bochum blieben die Hanseaten zwar zum 21. Mal in Folge ungeschlagen, durch den gleichzeitigen 1:0-Erfolg von Verfolger Bayern München im Lokalderby gegen 1860 schmolz der Vorsprung der Bremer auf den Titelverteidiger vier Spiele vor Saisonende auf sechs Zähler zusammen. Die Bochumer festigten dagegen den fünften Tabellenplatz und dürfen weiter von der zweiten Uefa-Cup-Teilnahme nach 1997 träumen.

Verdacht auf Kreuzbandriss bei Lisztes
Werder-Trainer Thomas Schaaf nahm den Punktverlust aber nicht zu schwer. "Man kann der Mannschaft in keinster Weise einen Vorwurf machen. Das war superklasse, was wir heute gezeigt haben. Wir haben ein begeisterndes Spiel geboten und in der zweiten Halbzeit nur auf ein Tor gespielt", sagte Schaaf. Lob kam auch von seinem Gegenüber Peter Neururer. "Bremen ist eines deutschen Meisters mit Sicherheit würdig", meinte der VfL-Coach, der weiter sein Geld auf Werder setzen würde. Bitter für die Bremer war nur, dass der ungarische Mittelfeldspieler Krisztian Lisztes mit Verdacht auf Kreuzbandriss ausschied.

Zahlreiche Möglichkeiten zum Sieg

Vor 32.645 Zuschauern im ausverkauften Ruhrstadion hatten beide Teams zahlreiche Möglichkeiten zum Sieg. Von Beginn an entwickelte sich ein temporeiches und engagiert geführtes Spiel, in dem die Gastgeber überlegen waren. Dennoch konnten sich die Bochumer vor allem bei Torhüter Rein Van Duijnhoven bedanken, dass Werder zur Pause nicht führte: Zunächst liess der niederländische Schlussmann einen 35-Meter-Freistoss von Mladen Krstajic zwar abprallen, reagierte jedoch anschliessend glänzend gegen den nachsetzenden Ailton (16.). Zwölf Minuten später hielt Van Duijnhoven sowohl gegen den völlig frei aufgetauchten Ungarn Krisztian Lisztes als auch beim unfreiwilligen Abpraller seines Teamkollegen Dariusz Wosz sensationell.

Verunsicherung in Bremer Abwehr

Doch auch der VfL hatte gute Chancen wie in der 19. Minute, als Wosz einen schönen Angriff überhastet abschloss, oder 16 Minuten darauf bei einem Schuss des ansonsten völlig enttäuschenden Delron Buckley. Zwar merkte man Bremens Hintermannschaft den Ausfall der gesperrten Valerien Ismael und Ümit Davala an, doch ohne die ebenfalls gesperrten Angreifer Paul Freier und Peter Madsen konnten die Bochumer kein Kapital daraus schlagen.

Beide Teams nicht zielstrebig genug

Nach der Pause bot sich den Besuchern weitgehend das gleiche Bild. Beide Teams spielten mit offenem Visier, waren aber nicht zielstrebig genug. So vergab der in der Bundesliga-Torschützenliste mit 25 Treffern führende Ailton sieben Minuten nach dem Seitenwechsel bei einem Latten-Treffer aus 14 Metern eine weitere Grosschance. Als der Torjäger 17 Minuten später von Werder-Trainer Thomas Schaaf ebenso sein blasser Sturmpartner Ivan Klasnic vom Platz genommen wurde, sorgte der Brasilianer zudem für Ärger: Wütend über seine vorzeitige Auswechslung warf der künftige Schalker von der Ersatzbank aus seine Trainingsjacke auf das Spielfeld.

Ernst und Wosz sehen fünfte Gelbe

Bremen drohen auf der Zielgeraden ausserdem Personalprobleme. Nationalspieler Fabian Ernst, der wie Bochums Dariusz Wosz die fünfte Gelbe Karte sah, wird am Samstag im Nord-Duell mit dem Hamburger SV fehlen. Darüber hinaus musste Lisztes 15 Minuten vor Schluss wegen einer Knieverletzung vom Platz getragen werden. Beste Spieler beim Tabellenführer waren Kapitän Frank Baumann und Tim Borowski. Bei den Bochumern überzeugte neben Van Duijnhoven vor allem der überragende Abwehrchef Raymond Kalla, der kurz vor dem Ende verletzt ausschied.


31. Spieltag (01.05.04) / 1. Tabellenplatz

WERDER - Hamburger SV 6 : 0 (3 : 0)

Bremen mit Fussball-Gala Richtung Titel

Bremen - Es war kein Unterschied in den Gesichtszügen Thomas Schaafs zu erkennen. Der Trainer des SV Werder Bremen blickte nach dem 6:0-Kantersieg seiner Mannschaft gegen den HSV ebenso entspannt drein, wie er es schon vor Spielbeginn und während der gesamten vergangenen Woche getan hatte. Von Nervosität und Verunsicherung angesichts der Verbalattacken aus München keine Spur. Stattdessen lebte der Coach genau das vor, was seine Mannschaft auf dem Rasen umsetzt

Klasnic nach drei Sekunden ins Tor

Mit spielerischer Leichtigkeit und begeisternder Freude am eigenen Spiel fegten die Bremer den desolaten Nordrivalen vom Platz. Bereits nach drei Sekunden erzielten die Bremer durch Klasnic' Weitschuss einen Treffer, der allerdings von Schiedsrichter Fröhlich nicht hinter der Linie gesehen wurde. Doch die Bremer wirbelten weiter und sorgten bereits zur Halbzeit mit drei Toren (Eigentor Barbarez/17., Ismael/22. und Klasnic 22.) für die Vorentscheidung. Hamburg fügte sich und liess nach der Pause die selbe Anzahl von Treffern zu (Ailton/48., Valdez/80. und Skripnik/84.).

Für Allofs nur Geplänkel

Wasser auf die Mühlen jener Verschwörungstheoretiker, die den Hamburgern nordische Nachbarschaftshilfe unterstellten. Auch aus München kamen in Person von Uli Hoeness Andeutungen in diese Richtung. Für Sportmanager Klaus Allofs nicht mehr als Geplänkel. "Irgendwelche Absprachen zwischen Werder und dem HSV zu vermuten, wäre lächerlich. Wer die Rivalität zwischen den beiden Vereinen kennt, der weiss, dass es da nichts zu verschenken gibt." Trainer Thomas Schaaf wollte sich zu den Vorwürfen des Bayern-Managers gar nicht erst äussern. Lediglich ein lakonisches "Dazu muss ich nichts sagen" war dem Coach zu entlocken.

Erinnerungen an 1993

Dennoch: Während Hamburgs katastrophale Leistung angesichts der konstanten Auswärtsschwäche schon als normal angesehen werden kann, fühlten sich Skeptiker an eine Partie Werder gegen HSV vor elf Jahren erinnert. Damals befanden sich Werder und die Bayern ebenfalls im Titel-Fernduell. Die Bremer gewannen einen Spieltag vor Schluss zu Hause gegen die Hamburger mit 5:0 und überholten die Bayern dank des besseren Torverhältnises. Eine Woche später gewannen die Bremer die Meisterschaft.

Toppmöller schützt Starke

Und auch 1993 spielte der Hamburger Torhüter eine tragische Rolle. Sein Name damals: Nils Bahr. Dieses Mal hiess der Bedauernswerte, der an zwei Gegentreffern die Schuld trug, Tom Starke. Warum Trainer Klaus Toppmöller die Leihgabe von Bayer Leverkusen ausgerechnet vor dem Spiel beim Tabellenführer zu seinem Bundesliga-Debüt in der Startelf verhalf, bleibt wohl sein Geheimnis. Immerhin nahm der Coach seinen Torwart ausdrücklich in Schutz, wohl auch um von seinem eigenen taktischen Missgeschick abzulenken. "Unserem Torwart gebe ich keine Schuld, er hat gut trainiert und ist ein junger Mann, der war noch unser Bester heute."

Der Traum rückt näher

Auch der Vielgescholtene wollte gar keine Diskussionen über etwaige Ungereimtheiten aufkommen lassen. "Ich habe heute mein erstes Bundesligaspiel von Beginn an gemacht und war hoch motiviert. Von Schiebung kann man da sicher nicht sprechen. Wie es jetzt in mir aussieht, kann sich ja sowieso jeder denken", sagte Starke geknickt. Während in Hamburg nun der UI-Cup-Platz wieder in Gefahr geraten ist, ist in Bremen der Traum vom Titelgewinn wieder ein Stück näher gerückt. Nächste Woche geht es zu den Bayern, wo mit einem Sieg die Meisterschaft vorzeitig gesichert werden könnte. (Das Restprogramm der Fussball-Bundesliga).

Allofs' gesundes Selbstbewusstsein

So sieht das auch Klaus Allofs. "Wir wollen den Titel so schnell wie möglich unter Dach und Fach bringen, und die nächste Möglichkeit dazu bietet sich in München. Wir sind jetzt seit 22 Bundesligaspielen ungeschlagen und wollen das 23. folgen lassen." Und ergänzend sagt der Sportmanager. "Wir werden dort so auftreten, wie wir die gesamte Saison aufgetreten sind: Nicht überheblich, aber selbstbewusst." So wird sich auch Thomas Schaaf im Laufe der Woche wieder mit entspannten Gesichtszügen in der Öffentlichkeit zeigen. Nach den 90 Minuten in München wird die Lockerheit vielleicht sogar zügelloser Freude weichen...


32. Spieltag (08.05.04) / 1. Tabellenplatz (Meister)

FC Bayern München - WERDER 1 : 3 (0 : 3)

Überragende Bremer zum vierten Mal Meister

München - Der SV Werder Bremen hat sich vorzeitig zum vierten Mal in seiner Vereinsgeschichte die deutsche Meisterschaft gesichert. Nach einer überragenden Leistung gewann die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf ausgerechnet beim grossen Rivalen Bayern München verdient mit 3:1 (3:0) und ist angesichts von neun Punkten Vorsprung zwei Spieltage vor dem Saisonende nicht mehr von der Tabellenspitze zu verdrängen. "Es ist unglaublich, was meine Mannschaft in dieser Saison und auch heute geleistet hat. Ausschlaggebend war die Einheit der Mannschaft. Danke an die Fans, die auch Spitzenklasse waren", sagte Werder-Trainer Thomas Schaaf.

Faire Verlierer

Die Meisterschale wird den Bremern beim Heimspiel am kommenden Samstag gegen Bayer Leverkusen überreicht. Während die Norddeutschen ihren Titelgewinn nach dem Schlusspfiff ausgelassen feierten, herrschte bei den Bayern nach einer enttäuschenden Saison ohne Titel grosste Tristesse. Zumindest präsentierten sich die Gastgeber als fairer Verlierer. Schon in der 68. Minute leuchtete auf der Anzeigentafel des Olympiastadions: "Herzlichen Glückwunsch SV Werder Bremen". "Ich gratuliere den Bremern zum Sieg. Sie haben eine exzellente Saison gespielt und den Titel verdient gewonnen. Sie haben sich nicht verrückt machen lassen und den schönsten Fussball gezeigt", meinte Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld.

Patzer von Kahn

Vor 65.000 Zuschauern zeigten die Bremer, dass sie in dieser Saison zu recht auf dem ersten Platz stehen. Nach einem katastrophalen Patzer von Nationalkeeper Oliver Kahn gelang Ivan Klasnic bereits in der 19. Minute die Führung für die Gäste. Johan Micoud (26.) und Torjäger Ailton (35.) mit einem Traumtor erhöhten das Ergebnis gegen eine desolate Münchener Elf noch vor der Pause auf 3:0. Für den Brasilianer Ailton war es der 27. Saisontreffer. Die Bayern kamen durch Angreifer Roy Makaay, der zum 23. Mal traf, in der 56. Minute nur noch zum Anschlusstreffer.

Rummenigge gratuliert schon zur Pause

Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sprach zur Pause von der "schlimmsten Enttäschung" und von einer "Katastrophe". Gleichzeitig gratulierte Rummenigge den Bremern bereits nach 45 Minuten zur Meisterschaft. Auch Teamchef Rudi Völler war von der Leistung der Werderaner beeindruckt: "Das ist schön anzusehen. Die Mannschaft hat unter Beweis gestellt, dass sie zurecht vorne steht."

Werder zeigt Bayern die Grenzen auf

In der Tat präsentierte sich Werder meisterlich und zeigte vor allem in der ersten Halbzeit dem Rekordtitelträger klar die Grenzen auf. Die Gäste spielten wie aus einem Guss, wirkten entschlossener und entlarvten die Münchener als Mannschaft ohne Mumm und Herz. In der zweiten Halbzeit begnügten sich die Bremer dann mit dem Notwendigsten, kamen trotz des Gegentreffers von Makaay aber nie ernsthaft in Gefahr. Die Bremer hätten bei Konterchancen durch Ailton das Ergebnis durchaus noch höher schrauben können.

Nun winkt das Double

Für Werder Trainer Thomas Schaaf ist es nach dem Pokalsieg 1999 der grösste Erfolg seiner jungen Trainerkarriere. Sein Team ist nunmehr seit 23 Spielen in der Bundesliga ungeschlagen und hat sich den Titel somit redlich verdient. Im Pokalfinale 29. Mai in Berlin gegen den Zweitligisten Alemannia Aachen winkt den Hanseaten sogar das "Double".


33. Spieltag (15.05.04) / 1. Tabellenplatz (Meister)

WERDER - Bayer 04 Leverkusen 2 : 6

Bayer blamiert den neuen Meister

München - Die Bremer Spieler hatten sich die Haare grün und orange gefärbt, um die Meisterschaft gebührend zu feiern. Grau hätte besser gepasst. Auch die "Alten Herren" hätten wohl kaum schlechter aussehen können als Werders Profi-Mannschaft, die gegen Bayer Leverkusen ein 2:6 (0:3) kassierte. Es war die höchste Pleite, die je ein neuer Deutscher Meister einstecken musste, Bremens höchste Heimniederlage seit 17 Jahren und die erste Niederlage seit 27 ungeschlagenen Pflichtspielen in Folge. Und das ausgerechnet an dem Tag, als Werder die Meister-Schale bekam.

Rekord verpasst

"Wir wollten uns beim Publikum mit einem Sieg bedanken, das hat leider nicht geklappt. Aber an einem solchen Tag möchte ich gar nicht soviel über Fussball reden", sagte Werder-Trainer Thomas Schaaf, der wie schon vor einer Woche still und ein wenig abseits des Trubels den Erfolg genoss. Diesmal allerdings blieb dem 43-Jährigen dafür weniger Zeit als im Münchner Olympiastadion. Stürmer Ivan Klasnic entdeckte den Coach aus dem Augenwinkel heraus und überfiel seinen Trainer förmlich mit der Schale. Vorbei ist aber die Hoffnung der Norddeutschen, den Punkterekord der Bundesliga (79) zu knacken.

Bayer hat Champions League vor Augen

Währenddessen darf die Bayer-Elf wieder von der Champions League träumen. Denn zum Saisonfinale heisst der Gegner in der BayArena VfB Stuttgart. Und ausgerechnet der VfB belegt in der Tabelle derzeit den dritten Rang - gerade mal zwei Punkte vor Leverkusen. "Wir wollten uns die Chance auf ein echtes Endspiel gegen Stuttgart nächste Woche erhalten - und die Jungs haben das gut umgesetzt", freute sich Bayer-Trainer Klaus Augenthaler.

Bremen verschläft erste Hälfte

Ob die Bayer-Spieler allerdings mit den Gedanken schon in der Königsklasse waren, darf bezweifelt werden. Ihre Spielweise war: Hier und Jetzt. Und sie war überlegen. Die Gäste liessen den Bremern keine Chance. Zur Pause hatten sie sich bereits einen 3:0-Vorsprung erarbeitet. Franca (siebte und 21. Minute) sowie Daniel Bierofka (zwölfte Minute) besorgten die Treffer. "In der ersten Halbzeit waren wir wohl noch beim Feiern" mutmasste Schaaf. Nach dem Wechsel keimte noch einmal kurz Hoffnung auf: Werder kam durch Tore von Krstajic (50.) und Ailton (53.) heran.

Ailton wie ein glückliches Kind

Der Brasilianer, dem mit nunmehr 28 Saisontreffern die Torjägerkrone nicht mehr zu nehmen sein dürfte, war angesichts des bevorstehenden Wechsels nach Gelsenkirchen zwischen Freude und Trauer hin- und hergerissen. Von Weinkrämpfen geschüttelt, hätte er beinahe die Meisterschale fallen lassen, Sekunden später tollte er über den von den Fans arg gerupften Rasen wie ein kleines glückliches Kind. Dann wieder suchte er schluchzend Halt am Bremer Vorstandsvorsitzenden Jürgen Born.

Franca, Juan und Augenthaler bleiben

Auch Leverkusens weitere Tore durch Franca (61.), Berbatov (65.) und Neuville (80.) konnten den Hanseaten die Feierlaune nicht verderben. So konnten sich am Ende beide Mannschaften freuen. Bayer-Manager Reiner Calmund sorgte auch abseits des Spielfelds für gute Laune bei den Rheinländern, als er anklingen liess, dass Franca, Juan und auch Trainer Klaus Augenthaler dem Klub erhalten bleiben. Lediglich Lucios Zukunft sei im Unklaren.

Völler überreicht die Schale

Nach der Partie hatten die Werder-Spieler und ihre Fans die Niederlage schnell vergessen. Aus den Händen von Rudi Völler bekamen die Bremer die Meisterschale überreicht. Da passten dann auch die orange und grün gefärbten Haare wieder. Für die Norddeutschen geht es am letzten Spieltag in Rostock nur noch darum, für das Pokalfinale am 29. Mai im Berliner Olympiastadion gegen den Zweitligisten Alemannia Aachen in Tritt zu bleiben. Leverkusen hingegen empfängt den VfB Stuttgart zu einem Endspiel um Tabellenplatz drei. Für Bayer wäre sogar die Vize-Meisterschaft zum Greifen nahe gewesen, wenn man sich nicht einen klassischen Fehlstart in die Rückrunde geleistet hätte.


34. Spieltag (22.05.04) / 1. Tabellenplatz (Meister)

Hansa Rostock - WERDER 3 : 1 (1 : 1)

Fader Saisonausklang für den Meister

Rostock - An bedröppelte Bremer Gesichter hat sich die Bundesliga in dieser Saison kaum gewöhnen können. Doch ausgerechnet eine Woche vor dem Griff nach dem ersten Double der Vereinsgeschichte kassierte der neue deutsche Meister Werder Bremen am letzten Spieltag mit 1:3 (1:1) bei Hansa Rostock die zweite Niederlage in Folge.

Neun Gegentore vorm Finale

Eine solche Negativserie war den Hanseaten während der abgelaufenen Spielzeit zuvor gänzlich erspart geblieben. Jetzt reist die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf mit neun Gegentoren aus den vergangenen beiden Partien zum DFB-Pokalfinale am kommenden Samstag gegen den Zweitligisten Alemannia Aachen nach Berlin.

Schaaf verspricht "andere Mannschaft" in Berlin

Doch Schaaf wollte keine schlechte Stimmung aufkommen lassen. "Wir werden in dieser Woche sehr intensiv arbeiten. Ich bin sicher, dass wir in Berlin eine andere Mannschaft erleben werden", sagte der 43-Jährige. Gleichzeitig warf Schaaf allen seinen Spielern mangelnde Entschlossenheit vor, aber deutlich bemüht war, die neuerliche Niederlage nicht zu hoch zu bewerten.

Ende der Siegesserie

Schliesslich scheiterte Werder erst auf der Zielgeraden der Saison an der Rekord-Punktemarke aus dem Jahr 1971/72, als es Bayern München umgerechnet auf die Dreipunkte-Regel auf 79 Zähler brachte. Bremen verzeichnete nach 34 Spieltagen stattliche 74 Punkte. Vor den beiden jüngsten Pleiten blieb die Mannschaft 23 Ligaspiele in Folge ungeschlagen. Eine Meisterleistung. "Richtig feiern dürfen wir aber erst im Falle des Doubles", sagte Schaaf.

Ismael mit Muskelfaserriss

Der Werder-Trainer, der zum siebten Mal als Spieler oder Trainer im DFB-Pokalfinale steht, wird dabei aller Wahrscheinlichkeit nach auf seinen französischen Defensivspezialisten Valerien Ismael verzichten müssen, den ein Muskelfaserriss im Oberschenkel plagt. Dessen Dienste hätten der Bremer Hintermannschaft in Rostock gut getan. Beim 1:0 durch Rade Prica (29.) wirkte Werders Defensive unkonzentriert. Zu allem Überfluss beförderte Mladen Krstajic den Ball kurz nach der Pause ins eigene Tor (46.), nachdem er zuvor per Freistoss zwischenzeitlich ausgeglichen hatte (37.). Marcus Lantz verwandelte einen Foulelfmeter zum Endstand (74.), Ailton holt Torjägerkanone. Im Gegensatz zu Ismael will Stürmer Ailton eine gewichtige Rolle im Pokalfinale spielen, ehe er gemeinsam mit Krstajic zu Schalke 04 wechselt. Mit 28 Treffern holte sich der Brasilianer die Torjägerkanone. Noch nie war ein Ausländer in der Bundesliga in einer Saison erfolgreicher als Ailton, der die beste Torausbeute seit 1980/81 verzeichnete. Damals hatte Karl-Heinz Rummenigge für die Bayern 29 Treffer erzielt. Als Dank für seine aussergewöhnliche Saison überliessen die Werder-Spieler dem 30-Jährigen in Rostock die Kapitänsbinde.

Rostock ist Bremen-Fan

Auch Hansa wird am Samstag interessiert nach Berlin schauen. Mit dem Sieg über den Meister sicherten die Hanseaten den neunten Tabellenplatz und damit die Chance auf die Teilnahme am Ligapokal. Dazu allerdings muss Bremen das Double gewinnen, sonst wäre Aachen im Millionen-Geplänkel vor Saisonbeginn dabei.

Max: "Definitiv letztes Spiel in Deutschland"

Hansa-Stürmer Martin Max, mit 20 Treffern erfolgreichster deutscher Torjäger, wird dann wahrscheinlich nicht mehr für Hansa spielen. Der 35-Jährige will seinen Vertrag auflösen und vielleicht nach Katar wechseln, weil er sich körperlich und mental die Bundesliga nicht mehr zutraut. Der Klub hofft auf eine überraschende Wende, verzichtete am Samstag demonstrativ auf eine offizielle Verabschiedung. Dennoch stehen Rostocks Aktien schlecht, denn Max sagte: "Für mich war es definitiv das letzte Spiel in Deutschland.

Last Updated on Friday, 15 June 2012 07:32
 

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