Werder-Tief Teil 2: Die Ingredienzien der Baisse Print E-mail
Written by weserstolz   
Sunday, 01 March 2009 01:00

Nachdem im ersten Teil die konstante Unkonstanz der Grün-Weissen Hauptthema war, besteht der zweite Teil vornehmlich aus der Analyse der „Ingredienzien", die nach Meinung des Autors das Werder-Tief zu verantworten haben.

Stichwort „Raute": Könnte man auch das „Schaaf-Prinzip" nennen, die Grundlage für die Erfolge der vergangenen Jahre. Werder spielt die Raute schon seit vielen Jahren, ist dadurch aber auch ausrechenbar geworden. Die Frage ist auch, ob Spieler, die in den vergangenen Jahren eine wichtige Rolle in der Raute gespielt haben, den diesem System geschuldeten hohen Anforderungen noch gerecht werden können.

Stichwort „offensive Spielweise": Eigenheit des vorgenannten „Schaaf-Prinzips". Werder war vorne in der Vergangenheit immer für fünf Tore gut, leider aber hinten für fast ebenso viele. Werder steht für offensiven und attraktiven Fussball, was ich nicht missen möchte. Zudem, die offensive Spielweise muss nicht automatisch in das hanebüchene Abwehrverhalten münden, das die Spieler immer wieder offenbaren. Allerdings, gewisse Voraussetzungen scheinen mir (nicht mehr) gegeben zu sein, weshalb Werder immer mal wieder ein Abwehrverhalten an den Tag legt, das jeder Beschreibung spottet. Wichtige Aspekte werden in den nächsten zwei Punkten angesprochen.

Stichwort „Qualität der Mannschaft": Nun ja, das muss ich sagen, das ist zum Teil ein echtes Ärgernis. Was da seit etlichen Jahren auf der linken Abwehrseite rumschwirrt, wer kann es begreifen? Anscheinend unmöglich, diese Baustelle mal zu schliessen. Im Mittelfeld genügen Spieler wie Baumann (siehe nächster Punkt), Vranjes, Tziolis (da leg ich mich schon mal fest), Jensen und und Niemeyer (beide immer verletzt) den Ansprüchen nicht. Im Sturm sollte ein Ersatz für Rosenberg gesucht werden. Tut mir leid, eigentlich mag ich „Rosi" ja, er hat auch seine Qualitäten, aber in der Nachbetrachtung vieler Spiele muss man ihm einfach zu häufig das Prädikat „Totalausfall" attestieren. Zum Thema Hugo „Eisenfuss" Almeida muss ich einfach mal sagen, dass er seine Qualitäten hat, die sind aber eindeutig begrenzt. Allofs und Schaaf tun aber immer so, als hätte Almeida etliche verborgene Qualitäten, die man nur zu Tage fördern müsse. Tut mir leid, dem ist nicht so, zu gross sind einfach seine technischen Defizite. Aus Hugo wird nie ein ganz grosser Knipser wie z.B. Pizarro. Wenn Allofs und Schaaf das endlich zugeben würden, könnte Werder sich auf die Suche nach weiteren Stürmen machen, die Almeida nicht unbedingt ersetzen, aber ergänzen könnten.

Stichwort „altgediente Leistungsträger": Darunter fällt eindeutig Baumann, er ist für das Schaaf-System einfach zu langsam, immer wieder wird das Mittelfeld viel zu einfach überlaufen. Es scheint sich abzuzeichnen, dass auch Frings bald dieser Kategorie zuzuordnen ist, wenngleich ich ihn immer noch für einen der wichtigsten Spieler im Werder-Verbund halte, nicht zuletzt weil bei ihm eigentlich immer der (Kampfes)Wille erkennbar ist.

Stichwort „Trainer": Vor einigen Wochen war ich mir noch nicht sicher, respektive hätte an dieser Stelle geschrieben, dass Schaaf wohl ein Auslaufmodell ist. Schnauze links, hier und jetzt nehme ich ganz klar Stellung: Schaaf ist immer noch der Richtige für Werder. Warum? Es ist, mit bedauerlichen Abstrichen zu erkennen, dass die Mannschaft „will", es gibt halt einfach Phasen, wo nichts funktioniert. Aber Spiele wie zuletzt gegen den AC Mailand zeigen, dass die Mannschaft Charakter hat und von Schaaf auch richtig eingestellt wird. Aber Schaaf muss im System flexibler werden, Werder ist zu einfach auszurechnen. Auch der nächste Punkt liegt in der Verantwortung des Trainers.

Stichwort „Einstellung": Wie gesagt, gegen die „Grossen" lässt man's häufig krachen, gegen die „Kleinen" leistet man gerne Aufbauhilfe. Das muss ändern, sonst kann Werder nicht wieder erfolgreich Fussball spielen, und ich meine das vor allem auch in Hinsicht auf den Tabellenplatz. Ich bin mir unsicher, was da los ist. Die Charakterfrage stellt sich meiner Ansicht nicht grundsätzlich, sonst wäre Werder nach einem 2:0 Rückstand in Mailand nicht zurückgekommen. Trotzdem, irgendwie scheint in den Köpfen der Spieler die Ansicht vorzuherrschen, dass die „Kleinen" aus Furcht gleich schon zu Beginn die Segel streichen. Ich glaube einfach auch, dass die Mannschaft auf wichtigen Positionen zu schwach besetzt ist, um das System des Trainers umzusetzen. Zudem kommt aus der zweiten Reihe zu wenig Druck auf die etablierten Spieler. Es braucht dringend eine Blutauffrischung - siehe auch „Qualität der Mannschaft".

Stichwort „hanseatisches Kaufmannsprinzip": Was es bedeutet, auf unverantwortliche Weise über den Verhältnissen zu leben, erleben wir gerade auch ausserhalb der schönen Fussballwelt. Es gibt aber auch den sogenannten „Leverage-Effekt", den Werder mit den getätigten Verpflichtungen zu wenig genutzt hat. Ausser Pizarro sehe ich keine Verpflichtung als Verstärkung, wenngleich ein Spieler wie z.B. Prödl Potential für die Zukunft aufweist, aber man muss auch die Gegenwart bedienen können. Mit Verlaub, wie sind die Einnahmen der vergangenen Champions-Leage Jahre investiert worden? Allein mit der Argumentation des teurer gewordenen Kaders tue ich mich schwer. Nun ja, ein Teil des Geldes ist wohl mit dem Millionen-Transfer „Chaos Alberto" verbrannt worden. Ich wünsche mir hier ein bisschen mehr Mut zum Risiko.

Stichwort „Cleverness": Auch ein Punkt über den man sich richtig ärgern kann. Werder trifft, der Gegner innert Minutenfrist auch. Diese Saison, zum x-ten Mal. Ein Spiel mal souverän nach Hause bringen, gibt es mit Werder nicht. Das ist echt ein Punkt, der an den Nerven jedes Grün-Weissen zehrt. Wäre schön wenn man das abstellen könnte, wie weiss ich allerdings auch nicht, vielleicht mal ein bisschen in südlichen Gefilden spionieren?

Ich bin mir sicher, dass die Herren Schaaf und Allofs, wie überhaupt das gesamte Management, das wieder auf die Reihe bringen. In diesem Sinn, 100% Werder!

 

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