Ausfahrt: Mittelmass Print E-mail
Written by weserstolz   
Thursday, 27 November 2008 01:00

Jetzt muss auch ich es eingestehen, nach einer langen Phase des Verdrängens, Haderns und Zauderns, begründet im Hoffen und Glaube an Grün-Weiss, aber es nützt alles nichts: Werder ist im Mittelmass angelangt. Die Fakten sind eindeutig und gleich an mehreren Stellen auszumachen - aber wie konnte es nur soweit kommen?

Management
Hier wurde meiner Ansicht etwas zu stark das Hanseatische Prinzip angewendet und mit den Mitteln geknausert. Allofs hat in den letzten Jahren immer wieder seine Spürnase unter Beweis gestellt, und Talente zu einem Schnäppchenpreis geholt - aber beliebig und endlos lässt sich das nicht wiederholen. Andere Clubs haben ihr Scouting verbessert und sind bei Werder in die Schule gegangen. Manchmal muss auch etwas riskiert werden, sprich die Schatztruhe aufgemacht werden, gerade in den letzten Jahren wäre das Risiko, begründet durch die Einnahmen aus der CL, nicht unverhältnismässig gewesen. Ich frage mich, wie die Einnahmen aus der Championsleague investiert worden sind. Es wurde gesagt, dass die Einnahmen nicht für bauliche Infrastrukturen verwendet werden - aber ganz ehrlich, wenn ich mir die Verpflichtungen, vor allem zu Beginn dieses Jahres anschaue, aber bestimmt auch nicht für Spielermaterial.

Sportliche Leitung
Ich habe mich kurzzeitig mal gefragt, ob ich die „verbotene" Frage in den Raum stellen soll - ich habe mich entschlossen, es nicht zu tun. Jeder soll anhand der Faktenlage, aber auch des Bauchgefühls diese Frage für sich selber beantworten. Schaaf jedenfalls scheint seine Spieler noch zu erreichen, die Spieler lassen sich nicht grundsätzlich hängen, der Wille war mit Ausnahmen erkennbar. Aber die Mannschaft tritt nicht als Einheit, nicht als Kollektiv auf. Bislang hat Schaaf meiner Ansicht nicht aufzeigen können, wie er die notwendige Veränderung, die sich seit längerer Zeit andeutet, bewältigen will.

Spielsystem
Seit Jahren vertraut Schaaf auf die Raute, der liegen schliesslich auch die Erfolge der vergangenen Jahre zugrunde. Aber Hand aufs Herz, das System hat sich abgenutzt, alle Mannschaften haben sich längst auf das Werder-System eingestellt. Bedenklich auch, dass Werder nicht auf ein anderes System, jedenfalls keines das den Erfolg bringt, umstellen kann. Aber am schlimmsten ist die Tatsache, dass Werder, respektive die Spieler, nicht aus dem jahrelang erfolgreich praktizierten Schönspielsystem ausbrechen können und einen Gegner auch mal niederkämpfen können. Dies gelang noch zu Abschluss der vergangenen Spielzeit, als eine Krise beendet wurde, indem Schalke und Hamburg regelrecht niedergeknüppelt wurden. Auch das System „Offensive um jeden Preis" muss überdacht werden, insbesondere weil es nicht möglich scheint, auch zuverlässig nach hinten zu arbeiten.

Aussenwirkung
Mehrfach hat die Mannschaft in Spielen einen überheblichen, teils lustlosen Eindruck gemacht. Vor allem gegen „kleinere" Gegner trat man überheblich auf, im blossen Glauben, solche Gegner mit reiner Schönspielerei an die Wand spielen zu können. Das hat in keinem Fall funktioniert, der Gegner hat mit Kampf und Wille geantwortet, dem hatte Werder nichts entgegen zu setzen.

Qualität des Kaders
Auf den Punkt gebracht: Auf vereinzelten Positionen, ja sogar Bereichen, nicht ausreichend. Brennpunkt Aussenverteidigung: Seit Jahren eine permanente Schwachstelle, vor allem auf der linken Seite. Etliche Spieler wurden verpflichtet, keiner hat(te) das Prädikat „ausreichend". Von zuverlässigen „Notnägeln" wie einem Pasanen, seines Zeichens guter Innenverteidiger, kann nicht erwartet werden, die Aussenbahnen dauerhaft und zuverlässig zu besetzen. Auf der rechten Aussenbahn sieht es etwas besser aus, wenn aber Fritz, wie aktuell, in einem kräftigen Tief steckt, geht nicht mehr viel. Im defensiven Mittelfeld scheint einigen Spielern zunehmend die Geschwindigkeit abzugehen. Brennpunkt Sturm: Pizarro ist zweifellos ein Top-Stürmer, allerdings nicht im Vollbesitz seiner Kräfte. Rosenberg und Almeida sind meiner Ansicht eigentlich mehr als durchschnittliche Stürmer, können aber ihr Potential nicht dauerhaft abrufen. Einem guten Spiel folgt ein schlechtes (vor allem Rosenberg), Almeida ist phlegmatisch veranlagt und häufig überhaupt nicht präsent auf dem Platz, trifft immer mal wieder, kann aber auch die allerallerbesten Chancen versieben. Bei Sanogo weiss ich schon gar nicht mehr, wie er spielt, auch er hat grundsätzlich Potential, er scheint aber psychisch ziemlich labil zu sein.

Verletzungen
Ich kann schon lange nicht mehr nachvollziehen, von welchem Verletzungspech Werder verfolgt wird. Ganz schlimm letzte Saison, auch schon die Saison zuvor, auch in diesem Jahr gab es schon viele Verletzte. Nur Pech - ich glaube nicht. Es fällt vor allem auf, dass viele Spieler über lange Zeit ausfallen, und sich dann nach der Gesundung gleich wieder verletzen. Auffällig auch, dass sich schon etliche Spieler über die ärztliche Betreuung beklagt haben.

Fazit
Viele Baustellen - die insbesondere zuerst mal durch das Management adressiert werden müssen - dann kann auch wieder erfolgreich Fussball praktiziert werden.

In diesem Sinne - 100% Werder!

 

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